Die Besondere Predigt

Die Lutherrose

Predigt zur silbernen Konfirmation am 7. Mai 2017

Liebe Gemeinde, liebe Jubilare.
Wenn Sie eine Auswahl von Bildern hätten und sollten damit ihren persönlichen Glauben beschreiben, zu welchem Bild würden Sie greifen?

Vielleicht zu dem Bild, auf dem ein Herz ist, weil für sie Glaube vor allem Liebe ist, die Liebe zu Gott und den Mitmenschen? Vielleicht nehmen sie einen Baum, weil sie an das Senfkorngleichnis denken, wo der Glaube wächst aus kleinen Anfängen. Vielleicht ein Bild von einem Fels oder Seil, weil der Glaube ihnen Halt gibt?

Jede und jeder hat da einen unterschiedlichen Zugang und Schwerpunkt mit dem er oder sie den Glauben betrachtet. Ich will heute – und das ist keine Überraschung – auf das Bild eingehen, das Luther von seinem Glauben gezeichnet hat und es wirklich im Bild festgehalten hat, nämlich in der Lutherrose, die sie als Karte erhalten haben.

Das Bild ist zusammengesetzt aus einzelnen Symbolen. In der Mitte fällt das schwarze Kreuz auf.
Das Kreuz ist das christliche Zeichen schlechthin. Schwarz verweist zunächst aber auch darauf, dass es mit Tod und Trauer zu tun hat und wir es oft mit Todesanzeigen in Verbindung bringen. Auch Jesus ist am Kreuz gestorben und deshalb ist es kein Triumphzeichen. Doch Jesus hat am Kreuz sein Vertrauen in Gott nicht verloren und wurde von Gott aufgenommen. Deshalb ist das Kreuz doch zu einem Hoffnungszeichen geworden, das sagt: Werf‘ dein Vertrauen nicht weg, auch nicht im Leid, denn Gott trägt dich da durch.

Umgeben ist das Kreuz von einem roten Herz.

Herz bringen die meisten gleich mit Liebe in Verbindung und das ist sicher für viele ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens. Herz steht aber auch für mein Innerstes, was mich bewegt. Wenn was von Herzen kommt, kommt es aus dem Innersten.

Um das Herz sticht eine weiße Blüte ins Auge.

Eine Rose mit ihren 5 Blättern soll es sein, vielleicht eher eine Heckenrose. Rosen sind etwas Besonderes, besonders wenn man einen Strauß mit roten Rosen überreicht. Hier ist die Rose weiß. Die Farbe Weiß gilt als Farbe der Reinheit und erinnert an die weißen Kleider bei der Taufe. Und jetzt in der Osterzeit haben wir weiße Paramente, weil weiß auch auf die Auferstehung hinweist.

Eingebettet ist die Blüte in ein blau.

Das ist die Farbe des Himmels, wie beispielsweise in der bayr. Flagge. Für Christen ist der Himmel gleichbedeutend mit dem Ort, wo Gott wohnt. Natürlich ist damit nicht der reale Himmel gemeint, sondern einfach der Sehnsuchtsort weit weg als Ziel unserer Lebensreise.
Alles wird eingeschlossen von einem goldenen Ring.

Viele von uns haben einen goldenen Ring am Finger. Der Ring erinnert an ein großes Versprechen in der Trauung: Nimm hin den Ring als Zeichen meiner Liebe und Treue, haben sie da gesagt. Der Ring hat kein Anfang und kein Ende und ist somit Zeichen für die Ewigkeit und für die Treue: der Treue Gottes zu uns oder eben untereinander.

Eigentlich spricht jedes Zeichen für sich und beleuchtet einen Aspekt des Glaubens. Martin Luther hat die 5 Zeichen zu einem einzigen zusammengefügt und zu seinem Wappen oder Siegel gemacht. Erstmals findet es sich auf einem Brief Luthers 1517 an Christoph Scheuerl in Nürnberg. 1530 auf der Veste Coburg schreibt Luther an den Ratsschreiber Lazarus Spengler und erklärt, was es mit dem Siegel auf sich hat. Es ist das „Merkzeichen meiner Theologie“ meint er und fasst die Deutung in einem kleinen Vers zusammen:

Des Christen Herz auf Rosen geht, wenn’s mitten unterm Kreuze steht.

Etwas ausführlicher schreibt er: In der Mitte steht das Kreuz, denn der Gekreuzigt wirkt unsere Rettung. Das geht für die Menschen nicht ohne Leiden ab – die Farbe des Kreuzes ist schwarz. Aber das Herz, in dem der Glaube wohnt, bleibt lebendig und behält seine natürliche Farbe. Froh soll die weiße Rose machen, weil der Glaube Trost und Frieden gibt. Zugleich weckt er Hoffnung auf Gottes Reich, was der blaue Hintergrund andeutet. Der goldene Ring fasst alles ein, kostbar und unendlich wie die Güte Gottes.
Was für Luther zusammenpasst und logisch klingt, ist doch erst nach viel Nachdenken und Anfechtungen entstanden. Kreuz und Herz waren für Martin Luther keineswegs schon zu Beginn im Zentrum seines Glaubens gestanden. Im Gegenteil. Luther quälte sich ja zunächst mit der Frage: wie bekomme ich einen gnädigen Gott. Gott erschien ihm wie ein strenger und strafender Richter, der das Richt-Schwert schwingt. Rot verband Luther vor allem mit der Furcht vor dem Feuer der Hölle. Erst nach vielen Jahren macht er die befreiende Entdeckung: Christus hat am Kreuz schon alles für uns getan. ER rechtfertigt uns und wir müssen uns den Himmel nicht verdienen, indem wir perfekt sind. Es genügt, dass wir immer wieder zu ihm umkehren und auf seine Großherzigkeit bauen.
Auch die weiße Rose verwundert als Zeichen von Friede und Trost. Luther war sein ganzes Leben lang Angriffen ausgesetzt. „Und wenn die Welt voll Teufel wär“, so kam es Luther manchmal vor. Oft wurde ihm vorgehalten, wie er sich als kleiner Mönch gegen die ganze Kirche stellen kann. Es gab genug Augenblicke, wo sein Herz nicht auf Rosen gebettet war und er sich der Sache fast nicht mehr gewachsen fühlte. In den Tagen als er das Lied dichtete „Ein feste Burg ist unser Gott“, schreibt er an einen Freund: Ich bitte dich um Christi willen, dass du mir beistehst in deinen Gebeten gegen den Satan und seinen Engeln, die mir über die Maßen feind sind, damit Christus mich nicht verlasse. So musste Martin Luther öfter erleben, wie sein Wahlspruch und sein Wappen in Frage gestellt wurde und sich von neuem bewähren musste.
Deswegen können wir das Wappen Luthers auch nicht einfach als unser Bild für den Glauben übernehmen. Der Merksatz „Des Christen Herz auf Rosen geht, wenn‘s mitten unterm Kreuze steht“ ginge sicher nicht jeden von uns so leicht über die Lippen. Aber eine Auseinandersetzung damit lohnt auf jeden Fall.
Deswegen greife ich nochmals das Herz auf. Wofür schlägt unser Herz? Welchen Stellenwert hat Glaube und Gott in unserem Leben? Luther hat einmal gesagt: Worauf du nun dein Herz hängst und dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott. Und er meint, dass manche Wissen, Klugheit, Freundschaft und Ehre somit zu ihrem Gott machen. Worum dreht sich unser Leben? Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel man ja schon damit beschäftigt ist, beruflich den Anforderungen zu genügen und Anerkennung zu bekommen, für Familie und Kinder zu sorgen und vielleicht noch ein Haus zu bauen. Da kommt man kaum zum Nachdenken. Und erwartet unsere Gesellschaft nicht, dass man sich selbst in den Mittelpunkt stellt und weiter optimiert? Auch wenn wir Wohlstand, Familie, Gesundheit, Karriere nicht anbeten, hängen wir aber doch ziemlich dran und wäre kritisch zu fragen: Können wir uns wirklich darauf verlassen? Wenn wir ehrlich sind: Nein. Wie schnell verliert ein Aktienpaket an Wert; wie schnell geht eine Ehe in die Brüche, wie schnell macht die Gesundheit Probleme? „Gut, Ehr Kind und Weib lass fahren dahin, sie habens kein Gewinn“ schreibt Luther. Das klingt verächtlich, meint aber wohl, dass uns alles genommen werden kann und dann ist die Frage, ob wir noch etwas haben, was uns Halt gibt. Und darum sollten wir uns beizeiten kümmern. Manche erzählen mir, wie ihnen das tägliche Gebet eine Hilfe ist und Wichtigkeiten relativiert. Andere nehmen regelmäßig eine Auszeit im Kloster, um wieder einen Anker im Leben zu entdecken. Oder andere stärken ihr Vertrauen, indem sie sich bewusst einprägen, wo Unerwartetes geschieht oder wir Gott an unserer Seite spüren. Und dabei vor allem spüren, dass Gott ein großes Herz für uns hat, egal ob wir erfolgreich sind oder uns durchs Leben wursteln.
Vielleicht scheint uns das Herz als Glaubensbild zu hochgegriffen. Aber sieht es mit dem Kreuz besser aus? Es ist eigentlich unser Erkennungszeichen als Christen. Unsere Konfirmanden haben am vergangenen Sonntag nach der Einsegnung ein Kreuz als Geschenk erhalten. Sie liebe Jubilare damals vermutlich auch. Viele Frauen tragen ein Kreuz als Schmuck. Doch auf der anderen Seite bemerke ich wie der Karfreitag als Feiertag, an dem das Kreuz im Mittelpunkt steht, immer mehr gemieden wird. Weihnachten feiern wir gern, auch Erntedank oder sogar noch Ostern, aber Karfreitag ist vielen zu schwermütig. „Wieso hat Gott seinen Sohn leiden lassen?“ fragt eine Frau im Altenheim mich öfter. Und hinter dieser Frage taucht schon die nächste auf: Warum lässt er manche Menschen leiden? Vielleicht gibt es sogar in ihrem Bekanntenkreis jemand, der an Krebs erkrankt und verstorben ist. Das stellt unseren Glauben in Frage. Wo bleibt da die Güte und Liebe Gottes? Darauf wird es nie eine befriedigende Antwort geben. Aber das Kreuz gibt uns immerhin die Antwort, dass wir deswegen nicht von Gott verlassen und verstoßen sind, sondern Gott den Leidenden und Opfern ganz nahe ist. Und ich schätze am Karfreitag, dass wir nicht nur einen Gott für schöne Tage haben, sondern auch einen, der Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis Geborgenheit gegeben hat, so dass er dichtete: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Die weiße Rose als Friedenszeichen würde meines Erachtens wohl in vielen Bildern vom Glauben einen wichtigen Platz haben, ist bei uns aber meist ersetzt von der weißen Taube. Unsere Welt ist zwar alles andere als friedlich und stellen uns die Auswirkungen der Kriege und Krisen vor große Herausforderungen. Doch da können wir als Christen Flagge zeigen, dass wir nicht den nationalistischen Tönen einer AfD folgen oder uns von terroristischen Anschlägen einschüchtern lassen, die mit Forderungen nach Abgrenzung und Verschärfung einhergehen.
Wie sieht es mit dem Himmel aus? Ist es auch unser Markenzeichen als Christen, dass wir nach dem Himmel streben? Ich denke, es wäre falsch, wenn wir das so verstehen, als sollten wir uns nur um unser Seelenheil kümmern. Andererseits werden wir es auch nicht schaffen, den Himmel auf Erden zu errichten. Für mich hat die Rede vom Himmel zum einen die Aufgabe, dass ich mich nicht so schnell zufrieden gebe mit dem Zustand der Welt; zum anderen gibt sie mir die Hoffnung, dass mein Leben am Ende bei Gott aufgehoben ist.
Den goldenen Ring, der in der Lutherrose alles umfasst, will ich zum Schluss nicht ganz vergessen. Denn dieses Symbol der Treue fragt ja gerade Sie als Jubilare, aber auch uns andere: Wie sieht es mit dem Konfirmations-versprechen aus? Haben wir auch unser Versprechen an der Konfirmation gehalten, im Glauben zu wachsen und als evangelische Christen in seiner Gemeinde zu bleiben? Gerade von den Jubilaren, die sich nicht angemeldet haben, würde mich das interessieren. Natürlich ist mir klar, dass es in verschiedenen Lebensphasen andere Schwerpunkte gibt oder dass das Glaubensleben ein Auf und Ab kennt. Und ich glaube, es braucht eben immer wieder Anstöße, damit wir den Faden, der uns mit Gott verbindet, wieder aufgreifen und weiter spinnen. Und so ist die Einladung zur silbernen Konfirmation auch zu verstehen, dass man mal wieder nach dem roten Faden im Leben sucht, der nicht immer sichtbar ist, aber unserem Leben Sinn und Halt gibt.
Die Lutherrose ist ein Sinnbild für den Glauben Martin Luthers: Des Christen Herz auf Rosen geht, wenn’s mitten unterm Kreuze steht. Das müssen nicht unsere Worte und Glaubensbilder sein, auch wenn sie keineswegs veraltet und unmodern sind. Jedenfalls sind sie ein Anreiz, ein eigenes Siegel mit Glaubensbildern zu entwerfen und mal zu schauen, ob es vielleicht doch Übereinstimmungen mit Luthers Wappen gibt.

Pfr. B. Kreile