Die Besondere Predigt

Jakob schaut die Himmelsleiter

Predigt zur Konfirmation am 30. April in St. Markus

(Vorbemerkung: Während der ganze Konfirmandenkurs unter dem Titel „Lebensweg“ stand, wurde im Konfirmationsfestgottesdienst das Bild hinzugefügt: „Der Lebensweg ist wie eine Leiter“. Die Leiter ist ein Bild für Aufstieg, Erfolg und Weiterkommen im Leben. Die Jugendlichen haben dazu eine Leiter in der Kirche mit Ideen zu ihren Lebensträumen dekoriert.)

Danach folgte die Predigt:
Was aber hat die Leiter mit Glaube und Gott zu tun?


Hören wir auf eine Begebenheit in der Bibel:
1. Mose 28, 10-19 nach der Übersetzung Martin Luthers
Jakob schaut die Himmelsleiter
10 Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran
11 und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.
12 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.
13 Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
14 Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.
15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.
16 Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!
17 Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.
18 Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf
19 und nannte die Stätte Bethel (…).

Liebe Konfirmanden, liebe Festgemeinde,
In diesem Bibelabschnitt geht es auch um eine Leiter – eine besonders hohe Leiter, eine, die Himmel und Erde verbindet. Sie ist als „Himmelsleiter“ in unseren Sprachschatz eingegangen. Sie ist wohl ein Bild für die Sehnsucht von uns Menschen, Gott zu erkennen und ein vollkommenes Leben zu haben.
Die Himmelsleiter in der Geschichte ist eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, auf der Gott seine Boten zu den Menschen schickt. Und sie ist ein starkes Bild dafür, dass Gott den Kontakt zu seinen Menschen sucht und Verbindung zu ihnen aufnimmt. Im gehörten Bibelabschnitt wendet sich Gott an den jungen Mann Jakob, während er schläft – im Traum. Da kann er ihm seine wichtige Botschaft mitteilen. Und Jakob kann in aller Ruhe zuhören.
Denn das ist ja eine wichtige Sache, die gar nicht mehr selbstverständlich ist: Zuhören können. Oft sind wir ja viel zu abgelenkt von den vielen Informationen und Nachrichten, die fast ständig auf uns einprasseln und die wie verarbeiten müssen. Und dann ist da noch etwas: Viele von uns sind einfach dauernd in Eile – warum auch immer. Da ist das mit dem Zuhören schwierig!
Auch Jakob war sehr in Eile, er war nämlich auf der Flucht vor seinem Bruder, den er ziemlich fies betrogen hatte. Er war auf der Flucht vor dessen Zorn und vor seiner eigenen Schuld.  Ich muss sagen: Gott ist irgendwie genial. Denn er passt die einzige Gelegenheit ab, in der Jakob nicht am Rennen ist, sondern ruht. Er spricht zu ihm im Schlaf.
Jakob träumt und es erscheint dieses beeindruckende Bild, das in der alten Sprache Martin Luthers so beschrieben ist:
Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.
Jakob sieht Engel auf und niedersteigen, die seine Stirn anrühren und ihn segnen. So verspricht Gott: Ich will dir beistehen und dich beschützen – trotz alledem, was du getan hast.
Außerdem hört Jakob, wie Gott ihm viele Nachkommen verheißt. Diese sollen gesegnet sein und selbst Segen weitertragen in die Welt.
Ein Wahnsinnstraum – heute wären wir vielleicht zu skeptisch, solchen Träumen zu trauen. Die Bilder, die uns im Schlaf erscheinen, kommen uns häufig wenig plausibel vor und wir wischen sie einfach weg oder vergessen sie, obwohl sie uns manchmal auch etwas wichtiges sagen wollen. Es fällt nur nicht leicht, sie zu verstehen...
Zu biblischer Zeit war das anders. Dass Gott Menschen einen Fingerzeig geben kann, wenn sie träumen, stand damals außer Frage.
Ein prominentes Beispiel im Neuen Testament ist Josef, der Mann Marias. Hätte er seinen Träumen nicht getraut, wäre das Jesuskind womöglich von König Herodes umgebracht worden. So aber nahm Josef die Warnung in einem Traum ernst und flüchtete mit seiner Familie rechtzeitig nach Ägypten.
Jakob – in unserer Geschichte - hatte also diesen Wahnsinnstraum und er war – ich meine das ganz ernst: eine Konfirmation für ihn, eine echte Stärkung. So viel Gutes war ihm nie vorher versprochen worden. So nahe war ihm Gott nie vorher gewesen.
Kein Wunder also, dass Jakob reagiert und an dieser Stelle, wo er geschlafen hatte, einen Altar bauen lässt. Hier will er und hier können andere, die vorbei kommen, Gott anbeten.
Was Jakob erlebt hat, ist auch für uns ermutigend. Wir dürfen wissen:
Gott hält also zu uns, auch wenn wir versagt haben.
Er wendet sich uns persönlich zu, um uns Gutes zu tun.
Ihr erhaltet heute den Konfirmationssegen, d.h. Gottes Beistand wird euch – wie dem Jakob im Traum auch -  auf den Kopf zugesprochen. Damit ist nicht verknüpft die Garantie, dass alles leicht wird im Leben, wie sich das viele von euch und auch viele andere wünschen würden, sondern durch diesen Segen sollt ihr genügend Kraft haben, auch Herausforderungen zu meistern.
Auch euch sagt Gott zu, ich bin an eurer Seite um euch beizustehen und zu beschützen. (V.15)
Mit dem Beispiel Jakobs will ich euch außerdem einladen, in eurem weiteren Leben mit Gott zu rechnen. Manchmal ist man gar nicht darauf eingestellt und ganz unvorbereitet und Gott zeigt sich doch und gibt einen Wink.
Wischt ihn nicht weg, auch wenn er in euren Träumen kommt und zuerst gar nicht plausibel scheint. Es ist wichtig, auch einer anderen Wirklichkeit Raum zu geben, als der ganz nüchternen, von der wir im Alltag vor allem bestimmt sind. Wir wünschen Euch freilich, dass euch gelingt, was ihr euch erträumt und ihr die Leiter eures Lebenstraumes erklimmen könnt. Aber wenn Ihr schlau seid, macht Ihr euer Lebensglück nicht nur abhängig vom Erfolg.
Wie brüchig die Sprossen der Karriereleiter sein können zeigt sich für mich kaum besser als an Fußballtrainern.
Einmal werden sie als Helden gefeiert, dann werden sie als Versager gefeuert. Ich bin da keine Expertin und bitte darum Markus ans Mikrofon, um uns das deutlich zu machen.
Konfirmand:
Ich habe mal zwei Trainer ausgesucht, die schon mal einen Karriereknick erlebt haben:
Der erste ist Dirk Schuster. Er übernahm den 3.Liga-Verein Darmstadt 98 und stieg mit ihm auf. Im Jahr darauf gelang ihm sogar der Aufstieg von der 2ten in die erste Bundesliga. Als er mit der Mannschaft den Klassenerhalt geschafft hatte, wechselte er zum FC Augsburg. Nach wenigen glücklosen Monaten wurde er dort im Dezember 2016 aber schon wieder entlassen/freigestellt, obwohl man ihn kurz vorher zum Trainer des Jahres gewählt hatte.
Als nächstes nenne ich Jürgen Klopp. Er gewann mit Borrussia Dortmund mehrmals die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. 2015 wurde er nach einer Pechsträhne seines Vereins entlassen und verließ Deutschland.
Als Trainer steht man oft unter Beschuss. In der Bundesliga steht man also gnadenlos unter Druck. Leider ist das auch für uns in Schule und Beruf manchmal so. Dauerdruck schadet unserer Seele und es tut gut, wenn wir uns aus solchen Situationen herausmanövrieren können und uns von der Brüchigkeit der Karriereleiter ein Stück unabhängig machen.
Die Himmelsleiter ist eben für unser Glück genauso von Bedeutung, wir brauchen nämlich auch geistliche Nahrung, um satt zu werden und unser Glaube verleiht uns Stabilität im Leben. Gott lädt uns immer wieder ein, zu ihm zu kommen – nicht nur heute am Tag der Konfirmation - . Gott will uns stärken. Über die Himmelsleiter kommt er uns sogar entgegen - spricht uns persönlich an. Und wir können im Glauben auf ihn zugehen und uns an ihm festmachen. Ihr habt euch einen Konfirmationsspruch aus der Bibel gewählt, einen, durch den Gott euch angesprochen hat. Wir wünschen Euch, dass Ihr selbst auf Eurem Lebensweg die Erfahrung macht, dass Ihr Euch auf die Zusagen Gottes verlassen könnt wie schon Jakob es durfte. Wir wünschen Euch, dass Ihr unter Gottes Segen behütet durchs Leben geht. Amen.
Pfarrerin Martina Hessenauer