Die Besondere Predigt

Strahle so glitzernd wie ein Diamant.

Konfirmationspredigt 2018

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, Eltern, Paten und Gäste.

Konfirmation ist ein Fest, bei dem es um den Abschluss des Konfiunterrichts geht, um das Abendmahl und den Segen Gottes. Doch für euch liebe Konfis geht es natürlich auch darum, dass es zur Konfirmation Geschenke gibt. Zu meiner Konfirmation hatte ich eine teure Uhr bekommen und eine eigene Trompete und Handtücher. Das haut euch sicher nicht vom Hocker und würde bei euch wohl nicht so gut ankommen. Ich vermute, dass bei den Jungs vor allem eher bares Geld fließt, was dann in technische Geräte und Aufrüstung umgesetzt wird, um beispielsweise besser zocken zu können. Ist nur eine Vermutung. Bei den Mädchen könnte ich mir vorstellen, dass neben Bargeld heute auch das ein oder andere Schmuckaccessoire verschenkt wird oder vielleicht schon zum Kleid getragen wird.

Das hat mich auf ein Lied gebracht, das vor einigen Jahren lange Zeit in den Charts gewesen ist. Da ist von Diamanten die Rede, die als Schmuck das highlight sind. Aber es ist vor allem für mich ein Lebensmotto, das daraus zu hören ist. Musik ist natürlich Geschmacksache und deshalb heikel. Manche mögen Rihanna, andere gar nicht. Aber es geht mir weniger um die Musik, als um die Botschaft. Und so hören wir mal rein in das Lied.

Auszug dt. Rihanna shine bright:

Strahle so glitzernd wie ein Diamant.
Glänze so strahlend wie ein Diamant.

Finde deinen glitzernden Weg im wunderschönen Meer.
Ich entscheide mich dafür, glücklich zu sein:
Du und ich, du und ich -
wir sind wie Diamanten am Himmel.

Wie so oft ist dieses Lied natürlich auch ein Liebeslied. Du und ich heißt es da. Aber das ist sehr dezent und könnte auch nur eine Freundschaft andeuten. Wichtiger ist mir allerdings der Aufruf: shine bright like a diamond. Denn das entspricht eigentlich auch unserem Verständnis als Christen. Jesus hat ja zu seinen Jüngern ganz Ähnliches gesagt, wie wir in der Lesung hören konnten: Ihr seid das Licht der Welt. Lasst es leuchten und scheinen!

Doch ich möchte zunächst nochmal beim Lied und dem leuchtenden Diamanten bleiben. Ihr liebe Konfis habt auf eurem Platz einen Edelstein gefunden. Leider ist es kein Diamant, sondern nur ein Bergkristall, der aber ein bisschen dem Diamant ähnlich sieht, allerdings nicht so wertvoll ist. Ein Diamant ist sehr wertvoll. Und das Lied hat recht: wir dürfen uns wie ein Diamant fühlen. Auch wir sind wertvoll, jeder und jede von uns. Wir sind Diamanten, denn wir sind einmalige Geschöpfe Gottes. Das sollten wir uns immer mal wieder vor Augen halten und nicht streitig machen lassen. Also wenn andere Menschen uns klein machen wollen, uns mobben und diskriminieren, dürfen wir uns nicht einreden lassen, dass wir wertlos seien. Das dürfen wir nicht in unser Innerstes gelangen lassen, sondern daran denken, wie Gott uns anschaut. Für ihn sind wir alle gleich wertvoll und einmalig.

In unserem Kurs konnte man diese Einmaligkeit auch schon gut beobachten. Jeder und jede von euch Konfis hat einen eigenen Stil, ist eine einmalige „Persönlichkeit“. Manche gehen eher fragend durchs Leben und sind nachdenklich, andere nehmen‘s leicht im Leben. Der eine kann in komplizierten, verschachtelten Sätzen ein perfektes Statement geben, andere bringen Fragen oder Antworten mit einfachen Mitteln auf den Punkt. Einige nehmen Aufgaben super genau, andere wursteln sich durch. Trotz dieser Verschiedenheit haben wir euch schätzen gelernt und wissen, was in euch steckt.

Ein Diamant ist sehr wertvoll, u.a. weil er einige besondere Eigenschaften hat. Zum einen ist er von besonderer Härte und Beständigkeit. Im Vergleich mit Menschen, wären das für mich Personen, auf die Verlass ist und die nicht ihr Fähnchen in den Wind halten.

Diese besondere Festigkeit von diamanten hat mit der Entstehung zu tun. Diamanten, das wissen sicher die meisten unter uns, sind eigentlich nichts anderes als Kohlenstoff, der eingeschlossen wurde und sich unter großen Druck und Hitze kristallisiert. Wenn wir Druck spüren, finden wir das in der Regel alles andere als positiv. Wer von uns möchte auch schon unter-drückt sein. Doch im Entstehungsprozess von Diamanten liegt auch eine wichtige Lebensweisheit: Wir denken ja meist, nur gute Zeiten bringen uns voran und lassen unser Leben erst gut werden. Nur wenn wir auf der Sonnenseite des Lebens stehen, werden wir eine imposante Erscheinung, ein Diamant im Himmel. Aber der Diamant sagt noch was anderes. Um schwere, leidvolle Zeiten, die auf uns lasten und bedrücken, kommen wir vielleicht nicht herum. Aber auch die sind für unsere Entwicklung wertvoll und können uns zu wertvollen Menschen machen. Menschen, die was Schlimmes erlebt haben, können unheimlich beeindruckend sein. Ich habe beispielsweise auf meiner Israelreise einen Fremdenführer erlebt, der den Holocaust überlebt hat und wir haben mit ihm viel Spaß gehabt. Genauso kann das, was euch weh tut und verletzt, euch zu einer Persönlichkeit formen, die andere beeindruckt. Daran solltet ihr liebe Konfis denken, wenn ihr am Boden zerstört und enttäuscht seid, weil Freundschaften auseinander gehen, es Zickenkrieg gibt oder ihr sitzen gelassen werdet. Ich wünsche das keinem von euch. Aber gerade solche Erfahrungen können bei uns etwas Positives zur Entfaltung bringen.

Ein Diamant ist wertvoll. Allerdings sieht man das einem Diamanten gar nicht immer an. Man muss nämlich unterscheiden, ob der Diamant roh oder geschliffen ist. Im Mittelalter waren die Diamanten nicht so wertvoll, da man noch nicht wusste, wie man sie bearbeiten kann.

Wenn ihr Konfis dazu nochmals den Bergkristall hernehmt. Auch euer Bergkristall ist an vielen Stellen milchig und trüb und wenig ansehnlich. Allerdings an der pyramidenförmigen Spitze ist er meist klar. Da sehen wir schon eher die Schönheit. Wenn man nun anfangen würde zu schleifen, wird das klarer und das Licht scheint besser durch und reflektiert. Ein Diamant funkelt also, je mehr er geschliffen ist und das Licht bündelt und wieder zurückwirft. Das macht den Diamanten so wertvoll, weil er dadurch auffällt. Er kann deshalb so hell strahlen, weil er das Licht aufsaugt und verstärkt zurückwirft. Und das ist für mich auch eine Beschreibung des Christseins. Als Christen stehen wir im Licht dessen, der sagt: Ich bin das Licht der Welt. Er scheint in diese Welt und in unser Innerstes. Aber als Diamant geben wir dieses Licht wieder zurück nach außen und leuchten hell. Deshalb kann Jesus eben auch sagen: Ihr seid das Licht der Welt! Interessant ist nun, wie der Abschnitt endet: Ihr sollt leuchten vor den Menschen und sie sollen eure guten Werke sehen und Gott preisen.

Das bedeutet: Die Menschen sollen nicht an Gott glauben weil sie ein Wunder sehen, weil jemand übers Wasser läuft. Sondern sie sollen auf Gott vertrauen, weil sie beeindruckt sind von euch Konfis und von uns allen. Ihr und wir alle können so ausstrahlen, dass sich andere Menschen an uns orientieren. Wir haben mal in einem Abendgottesdienst über Vorbilder im Glauben gesprochen und da gibt es natürlich herausragende Menschen. Martin-Luther King ist so eine Persönlichkeit, die beeindruckt hat und die vor 50 Jahren ermordet wurde. Aber wir müssen nicht Martin-Luther King werden. Es genügt, wenn wir ausstrahlen auf unsere Umgebung. Ihr liebe Konfis könnt ein Licht und ein Diamant in eurer Schulklasse sein, weil man sich an euch orientiert. Ich denke es könnte andere beeindrucken, wenn auf euch Verlass ist, wenn man euch vertrauen kann, wenn ihr vergeben könnt, wenn ihr gerecht seid, wenn ihr die Wahrheit sagt usw. Dann spiegelt ihr das Licht wider, das von Jesus ausgeht. Dann seid ihr wie Diamanten, die hell strahlen.

Manchmal fragen mich Jugendliche: Was bringt der Glaube? Ich finde, er gehört unbedingt dazu, wenn man wie ein Diamant strahlen will und nicht nur wie ein stumpfer Kieselstein ist.

Pfr. Berthold Kreile