Die Besondere Predigt

Wer von uns möchte nicht ins Paradies kommen?

Predigt am Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres: 12. Nov. 2017 über Lukas 16, 1-8

Liebe Gemeinde.

Wer von uns möchte nicht ins Paradies kommen? Aber im Evangelium haben wir gehört, dass Gott uns vorher einer Prüfung unterzieht und nur den rein lässt, der seinem Nächsten und vor allem den Notleidenden geholfen hat. Weil das manchen zu unsicher ist, versuchen sie, das Paradies auf Erden zu erschaffen. Das ging oft ziemlich daneben, aber hin und wieder gelingt es. Denn wie wir jetzt wieder wissen, gibt es Steuerparadiese. So wird gerade jetzt durch Aufarbeitung der „paradise papers“ aufgedeckt, wie die Reichen oder Firmen sich die Steuern sparen, indem sie das Geld in Trusts und Gesellschaften oder Briefkastenfirmen von Kleinststaaten verschieben, so dass die Geldflüsse unübersichtlich werden. Das ist zwar in diesen Fällen noch am Rande der Legalität, aber in der Wirtschaft gibt es auch eine große kriminelle Energie. Das ist allerding auch nichts Neues.

Das beweist ein Gleichnis, das uns im NT von Jesus überliefert ist:
 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz.
2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
3 Da sprach der Verwalter bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
5 Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
6 Der sprach: Hundert Fass Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.
7 Danach sprach er zu dem zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
8 Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Wer behauptet, die Bibel sei ein weltfremdes Buch, wird hier eines Besseren belehrt. Diese Geschichte kann es mit den „paradise papers“ durchaus aufnehmen. Hier handelt es sich um einen Wirtschaftskrimi erster Klasse. Zunächst ist mal viel Geld im Spiel. Denn der Betrieb, um den es hier geht – vielleicht eine Handelsgesellschaft oder verzweigte Ländereien– ist so groß, dass der Besitzer einen Verwalter und Geschäftsführer braucht. Der achtet darauf, dass die Waren pünktlich geliefert und bezahlt werden oder von den Bauern die Pacht abgegeben wird. Wer mit viel Geld und Waren hantiert, steht natürlich in der Gefahr für sich etwas abzuzweigen über seinen Lohn hinaus. Dieser Versuchung erliegt der Verwalter offensichtlich auch. Vielleicht hat der Besitzer davon Wind bekommen oder es ist eine routinemäßig angekündigte Rechnungsprüfung, wie wir das auch jährlich in unserer Gemeinde bei verschiedenen Kassen durchführen. Zumindest weiß der Verwalter, dass die Kassenprüfung ungünstig für ihn ausfallen wird. Der Rausschmiss ist vorprogrammiert. Was soll er nun tun? Weglaufen, sich das Leben nehmen oder um Gnade betteln? Dem Verwalter fällt etwas anderes ein: Er lässt die Schuldner nochmals alle vor seinem Rauswurf kommen. Und sehr großzügig – es ist ja auch nicht sein Geld – erlässt er ihnen einen großen Teil der Schuld, teilweise bis zu 50% und dazu fälscht er skrupellos einfach die Schuldver-schreibungen. Aber er tut das natürlich nicht aus Mitleid mit seinen Kunden oder aus Menschenliebe, sondern aus reinem Eigennutz. Denn damit verbunden ist ein deal, wie man heute sagt. Der Verwalter erlässt den Kunden oder Pächtern etwas mit dem Hinweis: dafür bist du mir dann auch mal was schuldig, wenn ich dich brauche. Das heißt, der Geschäftsführer baut vor für die Zeit, in der er arbeitslos ist und dann Gönner oder Geschäftspartner braucht, die ihn Geld leihen oder eine Beschäftigung verschaffen.

Ich finde, diese Geschichte ist aus dem wirklichen Leben gegriffen. Aber was uns wahrscheinlich irritiert und unverständlich erscheint ist die Tatsache, dass Jesus diesen Verwalter noch lobt und uns als Vorbild hinstellt. Das darf doch nicht wahr sein! Jesus bezeichnet den Verwalter als klug und raffiniert, aber bei dem was der alles auf dem Kerbholz hat? Das ist gleich mehrfach strafbar: er ist schuldig der Veruntreuung und Bestechung in Tateinheit mit Urkunden-fälschung. Drückt Jesus da ein Auge zu und darf man so lax mit den Geboten Gottes umgehen?

Das wäre allerdings ein grobes Missverständnis dieser Erzählung.

Diese Geschichte ist keine Beispielgeschichte. Sie endet nicht mit den Worten: Nun gehe hin und tue desgleichen, wie es beim barmherzigen Samariter heißt. Die Geschichte ist ein Skandalgleichnis. Jesus erzählt etwas Unerhörtes und möchte aber nur, dass wir es in einem Punkt übertragen auf unser Verhältnis mit Gott. Der Verwalter wird zur Rechenschaft gezogen und angesichts des katastrophalen Ausgangs baut der Verwalter vor, so dass er doch weiter angenehm leben kann. Jesus meint, wenn uns daran gelegen ist, ins Paradies zu kommen, dann müssen wir auch vorbauen, denn da werden wir eben vorher auch zur Rechenschaft gezogen und unsere Bilanzen geprüft.

Da werden sicher einige von uns sagen: Ich habe ein reines Gewissen und bin mir sicher, dass Gott mit mir zufrieden ist. Wunderbar! Glaub ich sogar. Aber ab und zu sind wir vielleicht doch kleine Schlawiner. Am nächsten Mittwoch ist ja Buß- und Bettag, wo wir uns besinnen und zurückblicken auf das letzte Jahr und oft feststellen, dass bei uns nicht alles in Ordnung war. Das fängt ja schon damit an, dass wir auch gern herumtricksen bei der Steuererklärung, es manchmal nicht so genau nehmen mit unseren Versprechen und andere lieber mal ausnutzen statt dass wir Hungrige speisen, Kranke besuchen, Fremde aufnehmen usw. Sind wir uns wirklich so sicher, ob wir vor Gott bestehen können? Deshalb rät Jesus: Baut beizeiten vor, dass ihr eure Fehler ausbügelt oder zumindest Menschen gewinnt, die ein gutes Wort für euch bei Gott einlegen. Schafft euch ein Netzwerk, das euch auffängt und trägt, wenn die Abrechnung erfolgt. Nach den Zusammenbruch des 3.Reiches wurden in Deutschland Parteimitglieder und Naziunterstützer aus Ämtern und Betrieben entfernt, es sei denn sie hatten einen „Persilschein“. Wenn ihnen Opfer oder Gegner des Nationalsozialismus bescheinigten, dass sie sich nichts zuschulden kommen ließen oder sogar mal Opfern und Gegnern geholfen haben, dann wurden sie als unbedenklich eingestuft und durften ihre Arbeit oder ihren Betrieb behalten.

Und solche Fürsprecher oder Seilschaften brauchen wir im Himmel, wenn wir uns nicht so sicher sind. Wenn wir jemand etwas Gutes tun, haben wir bei ihm einen Stein im Brett. Dann erinnert der/die sich an uns. Und wenn deren Leben zu Gott übergeht, geht auch deren Erinnerung auf Gott über. Und das könnte uns nützen. In manchen Nahtod-Erlebnissen berichten Menschen, dass sie ihre früheren Verwandten und Bekannte gesehen haben. Gut, wenn die auf uns warten und nicht die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Wenn wir also Gutes tun, dann können wir das aus verschiedenen Gründen: entweder weil wir unseren Nächsten lieben und uns gut dabei fühlen oder aus reinem Eigennutz. Und wer aus Eigennutz Werke der Barmherzigkeit übt, der stelle sich entweder vor, dass sich hinter einem armen, notleidenden Menschen Christus selber verbirgt oder der tue es, um zuletzt einen „Persilschein“ zu bekommen.

Und da kommt nun der letzte Satz unseres Predigttextes ins Spiel, wo Jesus vom schnöden Mammon redet, also von unserem Geldbeutel. Dazu sagt er wieder etwas höchst Ungewöhnliches. Schaut, was ihr mit eurem Geld und vor allem eurem Reichtum macht. Gerade die, die vielleicht nicht nur durch ehrliche Arbeit zu Reichtum gekommen sind, sollten das klug anlegen. Man kann sich davon natürlich auch schöne Dinge kaufen, eine Riesen -Flachbildfernseher und sich ein bisschen Luxus gönnen. Aber wir wissen alle: das letztem Hemd hat keine Taschen. Das nutzt uns bei Gott nichts. Im Paradies gibt es auch kein Einzelappartement, sondern da gibt es nur die Gemeinschaft der Heiligen. Und mit denen muss man auskommen und nicht zum Außenseiter werden. Und wer jetzt schon in die Gemeinschaft der Heiligen investiert, wer jetzt schon die Gemeinde unterstützt und baut, der hat vorgesorgt und so manchen Fehler wieder ausgebügelt. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen nach dem Aufruf des Tezel, der im Auftrag des Papstes Geldgesammelt hat und Ablassbriefe verkauft hat mit den Worten „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“. So meint das Jesus sicher nicht, sondern eher als Rat: entdecke dein Herz für eine gute Sache. Denn da, wo wir unser Geld lassen oder hingeben, hängt meist auch unser Herz dran. Und auf das kommt es Gott an.

Ohne Zweifel hat Jesus mit diesem Gleichnis für Diskussionsstoff gesorgt. Das wird uns nicht anders ergehen. Aber selbst wenn Sie mit dem Gleichnis nichts anfangen können und mit meiner Deutung nicht zufrieden sind, sollten wir doch bei einem Gedanken einig sein:
Die Energie mit der wir nach Steuerparadiesen oder Vorteilen und Schlupflöchern im Steuersystem suchen, können wir sinnvoller und mit einem besseren Gewissen einsetzen. Um anderen Gutes zu tun, müssen wir nicht lange suchen.

Pfr. Berthold Kreile