Die Besondere Predigt

Zeltgottesdienst am 17. Juli 2016

Lesung zum Predigttext: Zu Ex 33, 7-11

Der Herr sprach zu Mose: »Zieh mit dem Volk, das du aus Ägypten geführt hast, in das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid versprochen habe.

2 Ich will einen Engel vor euch her senden, der die Kanaaniter, Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter vertreibt.

3 Er soll euch in ein Land bringen, in dem Milch und Honig überfließen.

7 Jedes Mal, wenn die Israeliten ihr Lager aufschlugen, errichtete Mose in einiger Entfernung ein Zelt, das er »Zelt der Begegnung« nannte. Jeder, der den Herrn etwas fragen wollte, ging dorthin.

8 Immer wenn Mose zum Zelt der Begegnung hinausging, erhoben sich alle Israeliten und traten an den Eingang ihrer Zelte. Sie schauten hinter Mose her, bis er in das Zelt hineingegangen war.

9 Sobald Mose das Zelt betreten hatte, ließ sich die Wolkensäule nieder und lagerte vor dem Eingang, während der Herr mit Mose sprach.

10 Wenn die Israeliten sahen, dass die Wolkensäule vor dem Eingang des Zeltes der Begegnung stand, warf sich jeder am Eingang seines Zeltes zu Boden.

11 Der Herr sprach mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie einer, der mit seinem Freund redet. Danach kehrte Mose wieder ins Lager zurück.

Predigt: Pfr. Berthold Kreile

Liebe Gemeinde!

In der Lesung haben wir einen Abschnitt aus der Wüstenwanderung des Volkes Israel gehört. Die Israeliten sind unterwegs ins verheißene Land und bauen wie Nomaden immer wieder ihr Zelt auf und ab. In diesem Abschnitt erfahren wir auch, dass Mose ein besonderes Zelt errichten ließ am Rande des Lagers. Martin Luther hat dies mit dem unglücklichen Begriff „Stiftshütte“ übersetzt. Das klingt zu machtvoll und fest, denn in Wirklichkeit war es natürlich ein Zelt so wie die anderen, nur etwas größer vielleicht. Im Hebräischen heißt es ohed moel, das Zelt der Begegnung.

Was ein Zelt der Begegnung ist, kann man in diesem Zelt ganz gut begreifen. Da ging es gestern und vorgestern abend zu wie im Bienenstock, war das Zelt gerammelt voll, wurde gefeiert, gegessen, getrunken, gredet, getanzt. Da war Party-Stimmung. Ja an der Kärwa begegnen sich in diesem Zelt ganz verschiedene Menschen und kommen selbst von auswärts Leute dazu. Heute früh geht es etwas ruhiger zu, aber da begegnen wir uns als Gemeinde Jesu Christi in diesem Zelt. Es ist wohl davon auszugehen, dass auch das von Mose errichtete Zelt der Begnung als Versammlungszelt oder zum Feiern genutzt wurde.

Aber aus der Lesung entnehmen wir, dass noch an eine andere Begegnung gedacht ist. Im Zelt der Begegnung kann man nämlich Gott begegnen. Da lässt sich die Wolkensäule nieder, die die Israeliten durch die Wüste führt. Und Mose kann hier mit Gott reden und muss nicht mehr wie vorher auf den Gipfel des Berges Sinai steigen, um Gott zu begegnen und die 10 Gebote zu empfangen. Gott lässt sich herab und will ganz nahe bei den Menschen sein. Er nimmt mitten unter den Israeliten seine Wohnung, wohnt Zelt an Zelt wie ein guter Nachbar. Nicht nur Mose, sondern jeder/jede darf das Zelt aufsuchen.

Und deswegen passt es, dass wir in diesem Zelt Gottesdienst feiern. Gott lädt uns heute ein, dass wir ihm hier begegnen. Gott will hier zu und und mit uns reden. Er will uns nahe sein. Und dazu braucht er keine Kirche, sondern ist überall da, wo wir in seinem Namen zusammenkommen. Ja man könnte sogar sagen, er ist überall dabei, wo wir uns in guter Weise begegnen. Deshalb war er vielleicht auch schon gestern abend hier als die Menschen gefeiert und gesungen haben. Denn Gott liegt viel daran, dass unsere Begegnungen auch gelingen. Deshalb lagen im Zelt der Begegnung auch die Tafeln mit den 10 Geboten, die jeden dran erinnerten, welche Grenzen es im Umgang mit anderen zu beachten gibt.

Ich habe vorhin schon davon gesprochen, dass dieses Zelt schnell aufgebaut und schnell wieder abgebaut ist. Bald ist es wieder an einen anderen Ort. Und das haben Mose und die Israeliten genauso gemacht. Das Zelt der Begegnung war praktisch für die Wüstenwanderung. Es wurde immer verpackt und mitgenommen. So ging Gott immer mit den Israeliten mit von einem Ort zum anderen.

Das gilt auch heute noch. Gott ist beweglich, ist mobil und geht mit. Gott braucht keine heiligen Orte wie Berggipfel und braucht keine festen Kirchengebäude. Er geht mit wie ein Zelt, das wir auf eine Wanderung mitnehmen und bei Bedarf aufbauen.

Das finde ich, ist eine sehr tröstliche Vorstellung, denn wir sind ja oft eine Art moderner Nomaden. Wir brechen ja auch immer wieder unsere Zelt ab und machen uns auf, zu neuen Wegen. Das kann ganz konkret ein Umzug an einen neuen Wohnort sein oder wenn wir mit unserem Lebenspartner zusammen ziehen. Im Alter steht der Umzug in ein Seniorenheim an. Aber auch der Antritt einer neuen Arbeitsstelle ist ein Aufbruch im Leben. Manchmal ist dieser Schritt gezwungen und manchmal tauchen Zweifel auf, ob er richtig ist, und nicht nur Kinder kennen das Heimweh. Auch wenn wir dabei Liebgewonnenes zurücklassen müssen und nicht mitnehmen können wie unser Haus, die Freunde oder Bertriebskollegen, den Arzt oder den Frisör, der uns so gut verstanden hat, oder Spielplätze, die die Kinder geliebt haben - so steht fest, dass Gott sich mit uns auf den Weg macht. Er bleibt an unserer Seite; lässt sich mitnehmen wie leichtes Gepäck. So wie es damals das Zelt war, in dem man Gott begegnen konnte, gibt es heute noch andere Möglichkeiten und Zeichen, mit denen sich Gott verbindet und die so beweglich sind, dass man sie leicht einpacken und mitnehmen kann, auf Reisen, im Alltag und in allen Aufbrüchen des Lebens.

Das können wir natürlich Gott in der Bibel begegnen oder auch im Losungsbuch, mit dem viele Menschen in der Frühe ihren Tag beginnen. Manche tragen sowieso ständig ein Kreuz an der Halskette oder sehr beliebt ist auch das Armband mit den Perlen des Glaubens, einer Gebetshilfe. In einem Auto habe ich auch schon mal gesehen, dass kath. Mitchristen  einen Rosenkranz mitgenommen haben. Oder man kann sich einfach eine Kerze einstecken und bei Gelegenheit entzünden und in diesem Augenblick an bestimmte Menschen und an Gott denken. Gott will uns überall nahe sein und macht sich dazu manchmal sehr klein und bleibt doch der unfassbare, große Gott.

Das Zelt, in dem wir heute Gottesdienst feiern wird nächste Woche wieder abgebaut. Wir werden dann den Gottedienst wieder in der Kirche feiern. Aber es ist gut, wenn wir das mit Gott und dem Zelt der Begegnung nicht vergessen, und uns als Kirche zum Vorbild nehmen. Die Kirche als Zelt ist das Bild einer begeweglichen Kirche. Es bedeutet, dass wir als Kirche immer nah an den Menschen sein müssen, dass wir einladend sind. Es bedeutet, dass Kirche nicht starr sein darf, sondern immer aufbruchbereit. Auch wenn Traditionen etwas Wichtiges sind und Heimat geben, darf der Ballast nicht zu groß werden und hinderlich sein. Kirchen und Gemeinden müssen immer die Kraft haben, sich zu reformieren. Semper reformanda hat auch Martin Luther der Kirche verordnet. Wenn wir also nächstes Jahr das Luther-Jubiläum begehen, geht es nicht so sehr um einen Blick in die guten alten Zeiten, sondern eher darum, dass es immer wieder Menschen braucht, die mutig in der Kirche einen neuen Aufbruch wagen und vorangehen und dabei nahe an den Leuten sind und ihnen aufs Maul schauen wie Martin Luther. Dabei brauchen wir keinen neuen strahlenden Helden, sondern einfach Mitarbeiter/innen und Geistliche, die sich vom Geist Gottes inspierieren lassen. Und da hat man immer wieder gute Ideen für eine bewegliche Kirche gehabt, z.B. die Kirche unterwegs eingerichtet, die nun in der Ferienzeit ihr Lager auf den großen Campingplätzen aufschlägt und bei den Urlaubern ist oder zur Zeit am Altmühlsee Gottesdienste am Schäferkarren hält. Aber nicht nur am Gottesdienst zeigt sich eine Kirche, die beweglich ist und neu aufbricht, sondern auch dass wir teilnehmen an den sozialen medien. Und so können Sie nicht nur unsere homepage besuchen, sondern auch auch über facebook immer auf den laufenden sein und z.B. über unseren Konfibegrüßungsgottesdienst etwas erfahren.

Da sind nur ein paar Beispiel, die deutlich machen, dass Kirchen Gott nicht einmauern, sondern versuchen beweglich zu bleiben und den Menschen zu versichern, dass Gott mit ihnen auf dem Weg ist.

Pfr. Berthold Kreile