Filmabend Freitag 21.04.2017 19:30 Uhr

Unsere nächste ver~rückte Geschichte

Es ist dem großen Erfolg des Buchs von Hape Kerkeling geschuldet, dass seine Reise auf dem Jakobsweg verfilmt wurde. Auf den ersten Blick ist dies kein Stoff, der sich für eine Kinoadaption anbietet. Die Pilgerreise des Protagonisten ist an sich eher unspektakulär. Interessant wird sie aber durch die Reflexionen des Autors und dessen ganz eigenen Erzählstil. Im Buch fragt sich Kerkeling, „... ob ich als pummelige Couchpotato wirklich gut daran tue, mal eben in Badelatschen die Pyrenäen zu überqueren“, und so ist auch der Film zu Beginn der Wanderung voll von schmerzenden Gliedern, drückenden Schuhen, ranzigen Herbergen, Rückschlägen, Hitze und Regen und Durst...

(FSK 0, 92 min) (Wie immer bei entspannter und gemütlicher Atmosphäre im Gemeindehaus)

Dem Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung das Prädikat wertvoll verliehen. Danke, dass wir Ausschnitte der dazugehörigen Filmbeschreibung und Jurybegründung wiedergeben können:

Für den Entertainer Hape Kerkeling läuft es 2001 zwar beruflich gut, doch gesundheitlich ist nicht alles wirklich rund. Mehrere Schwächeanfälle nach den Auftritten, eine Gallenblasen-OP und der dringende Rat des Arztes, kürzer zu treten. Hape ist klar: So geht es nicht weiter.

Er entscheidet sich zu einem großen Schritt. Besser gesagt, zu einem langen Weg. Er will den Jakobsweg nach Santiago de Compostela laufen, die ganzen 770 Kilometer. Seine Freunde glauben ihm nicht, seine Agentin hat Angst um seine Gesundheit, auch Hape selbst zweifelt, ob er das schaffen kann. Und doch traut er sich. Und trifft im Verlauf der Wanderung auf interessante, skurrile, nette und komische Menschen. Vor allem jedoch trifft er – auf sich selbst.

Im Jahr 2006 veröffentlichte Hape Kerkeling ICH BIN DANN MAL WEG. Das Buch wurde über 3 Millionen Mal verkauft und ist das zweiterfolgreichste deutsche Sachbuch überhaupt. Nun hat Regisseurin Julia von Heinz die Geschichte mit Devid Striesow in der Hauptrolle verfilmt. Striesow ist als Hape ein wahrer Glücksgriff. Die Sprache, die Gestik und Mimik, der Humor – man vergisst, dass hier jemand Hape Kerkeling spielt. Schön eingeflochten in die Rahmenhandlung werden Hapes Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend.

Es sind oftmals gar nicht übergroße Gedanken, keine großen philosophischen Betrachtungen. Eher sind es Alltagsreflektionen, kurze Momente der Selbsterkenntnis oder der Beobachtung der Umwelt um ihn herum. Doch genau dies macht den Charme nicht nur der Vorlage, sondern auch dieses Films aus, der zudem mit wunderschön gefilmten Aufnahmen auch die Faszination dieses Weges auf beste Weise bebildert.

Der Film ist eine gelungene Umsetzung von Hape Kerkelings Erfolgsroman. Ein Film, der anregt, amüsiert, berührt und vielleicht ja auch inspiriert.

(Buch Seite 186f) ... Geh mir weg mit Gott, sagen leider die meisten. Ich sehe das anders. Egal ob Gott eine Person, eine Wesenheit, ein Prinzip, eine Idee, ein Licht, ein Plan oder was auch immer ist, ich glaube, es gibt ihn! Gott ist für mich so eine Art hervorragender Film wie »Ghandi«, mehrfach preisgekrönt und großartig! Und die Amtskirche ist lediglich das Dorfkino, in dem das Meisterwerk gezeigt wird. Die Projektionsfläche für Gott. Die Leinwand hängt leider schief, ist verknittert, vergilbt und hat Löcher. Die Lautsprecher knistern, manchmal fallen sie ganz aus oder man muss sich irgendwelche nervigen Durchsagen während der Vorführung anhören, wie etwa: „Der Fahrer mit dem amtlichen Kennzeichen Remscheid SG 345 soll bitte seinen Wagen umsetzen.“

Man sitzt auf unbequemen, quietschenden Holzsitzen und es wurde nicht mal sauber gemacht. Da sitzt einer vor einem und nimmt einem die Sicht, hier und da wird gequatscht und man bekommt ganze Handlungsstränge gar nicht mehr mit. Kein Vergnügen wahrscheinlich, sich einen Kassenknüller wie ‚Ghandi’ unter solchen Umständen ansehen zu müssen. Viele werden rausgehen und sagen: „Ein schlechter Film.“ Wer aber genau hinsieht, erahnt, dass es sich doch um ein einzigartiges Meisterwerk handelt.

Die Vorführung ist mies, doch ändert sie nichts an der Größe des Films. Leinwand und Lautsprecher geben nur das wieder, wozu sie in der Lage sind. Das ist menschlich. Gott ist der Film und die Kirche ist das Kino, in dem der Film läuft. Ich hoffe, wir können uns den Film irgendwann in bester 3-D- und Stereo-Qualität unverfälscht und mal in voller Länge angucken! Und vielleicht spielen wir dann ja sogar mit!“ ...

Wir freuen uns wieder auf Sie! 

Roland Geßl