Filmabend Freitag 06.10.2017 19:30 Uhr

Ein Film voller Zuversicht oder Geschichte darf man nicht auswendig lernen. Man muss sie begreifen!

Ein Leben im Pulverfass: die 11. Klasse des Pariser Léon Blum Gymnasiums ist im wahrsten Wortsinn vielfältig. Doch tummeln sich hier viele, die wissen, dass sich der Rest der Welt nicht für sie interessiert. Etwas zu lernen, scheint reine Zeitverschwendung. Als die engagierte Lehrerin Anne die Klasse übernimmt, begegnen ihr selbstbewusster Unwille und große Provokationslust. Doch die kluge Frau versteht es, mit geschickten Fragen die Muster der Jugendlichen zu durchbrechen...

Ich mag diese kleinen ungewöhnlich Randnotizen der Weltgeschichte, eigentlich unbedeutend und doch so ver~rückt hoffnungsvoll. (FSK 12, 105 min.) (Wie immer bei entspannter und gemütlicher Atmosphäre im Gemeindehaus)


Auszüge der schönen Filmbeschreibung habe ich dankend der Film- und Pressemappe entnommen:

Nach einer wahren Begebenheit erzählt die Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar eine tief bewegende Geschichte über Integration und die Chance, die in der Gemeinschaft liegt. Ein kraftvoller und kämpferischer Film, von fantastischen Schauspielern getragen und voller Hoffnung.

Am Pariser Léon Blum Gymnasium macht die 11. Klasse immer wieder auf sich aufmerksam, aber nicht gerade mit Glanzleistungen. Etwas zu lernen, scheint reine Zeitverschwendung, lieber tragen die Schüler ihre Konflikte im Klassenzimmer aus. Hier treffen starke Charaktere aus unterschiedlichen Kultur- und Religionskreisen aufeinander, die ihre Lehrer vor große Herausforderungen stellen.

Der junge Muslim Malik, die aggressive Mélanie, ihre Verbündete Jamila oder der stille Théo haben keinen Anteil am Wohlstand der Mitte und sich damit abgefunden. Das Lehrerkolleg hat sie mehr oder weniger abgeschrieben und auch die Klasse sich selbst. Es geht zur Sache: Beleidigungen, Handgreiflichkeiten und Provokationen stehen auf der Tagesordnung, schlechte Noten auch. So bleibt der frustrierten Literaturlehrerin nur ein hartes Urteil: „Das Abitur besteht ihr sowieso nicht.“

Auch der engagierten Lehrerin Anne Gueguen schlägt eine Welle des Widerstands und der Verdrossenheit entgegen, als sie die Klasse übernimmt. Doch Madame Anne will die Kapitulation der jungen Schüler nicht akzeptieren, auch für sie soll es einen Platz in der Gemeinschaft geben. Sie hat ihre Regeln, keine Kappen, kein Kaugummi, keine Kopfhörer und ganz wichtig: kein Rassismus. Sie greift bestimmt, aber mit viel Respekt für ihre Schüler durch.

Als ihre Mutter stirbt, nimmt die Lehrerin Urlaub. In ihrer Abwesenheit gelingt es kaum noch, die Klasse zu bändigen, sie tanzt der Vertretungslehrerin auf der Nase herum. Die Schüler der 11. mausern sich zu Rekordhaltern der gesamten Schule in Fehlstunden, schlechtem Betragen, Unterrichtsverweisen, Nachsitzen und Schulverweisen auf Zeit.


Diese verheerende Bilanz kann Madame Anne nicht hinnehmen. Als sie wiederkommt, schlägt sie daher dieser scheinbar unzähmbaren Klasse etwas Außergewöhnliches vor: die Teilnahme an einem gemeinsamen Projekt, am „Nationalen Wettbewerb zum Widerstand und zur Deportation“. Fragende Gesichter erwidern ihren Vorschlag. „Einen was?“ Bis zu 50.000 Schülerinnen und Schüler nehmen daran jedes Jahr teil.

Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs lautet „Kinder und Jugendliche im System der Konzentrationslager der Nazis“. Die Klasse ist noch nicht überzeugt: „Was können wir schon dazu beitragen?“ Doch die Lehrerin akzeptiert das nicht so einfach und macht ihnen Mut, indem sie ihnen ihr vollstes Vertrauen entgegenbringt.

Mit großer Beharrlichkeit gelingt es ihr, die Schüler in eine gemeinsame Aufgabe zu verwickeln. Obwohl die meisten sich noch nie mit Geschichte befasst haben, entdecken die Jugendlichen, dass die längst vergangenen Schicksale auch ihnen viel zu erzählen haben. Für sie beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die sie schließlich zu einer Gemeinschaft macht. Mit viel Sensibilität zeigt ihnen Madame Anne, dass sie Teil von etwas viel Größerem sind...

Der Film erzählt behutsam und, man mag das als Manko oder als großes Plus bewerten, mit dem Blick auf nur eine Ebene der Geschehnisse. Und man könnte den Streifen auch als Nur eine „Gutmensch- Geschichte" kleindeuten.  Wie dem auch sei, Optimismus auf die Möglichkeiten von Menschen tut gut und gerade deshalb empfinde ich den Film so wichtig!

Roland Geßl

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