Filmabend Freitag 09.06.2017 19:30 Uhr

Du hast keine Chance aber nutze sie oder auch und ein Schluck Whisky für die Engel

 

Vier arbeitslose Kids aus Glasgow wollen den teuersten Whisky der Welt stehlen. Die ver~rückte Sozialkomödie ist ein bittersüßes, raubeiniges und erdiges Loblied auf Schottland, seine Bewohner und ihr heiliges Nationalgetränk, mit mildem Geschmack und leicht torfigem Abgang. Trostlos und ungeschönt zeigt der Film des englischen Regisseurs Ken Loach zunächst eine desillusionierte Vorortwelt voller Alkohol, Gewalt und Perspektivlosigkeit aber er zeigt auch, dass jeder Talente hat die geweckt werden können. Das alles verpackt in ein Märchen über feine Nasen, Gaumen.und dem Verdunsten von Whisky durch die Lagerung im Fass, dem sogenannten „Angel's Share'..

(FSK 12, 101 min.) (Wie immer bei entspannter und gemütlicher Atmosphäre im Gemeindehaus)

Ein schöne Bewertung dieses 2012 mit dem Preis der Jury in Cannes ausgezeichneten Kunstwerks habe ich dankend der evangelischen Filmzeitschrift epd-Film entnommen. Danke, dass wir diese hier wiedergeben dürfen:

Der Film ist ein Feelgoodmovie aber dennoch hat Loach das soziale Umfeld so genau gezeichnet, wie man es von ihm kennt. Schon die Exposition, ein Gerichtsverfahren, das lustlos und am Fließband Urteile produziert, ist ein kleines Meisterstück der Montage von Humor und Naturalismus.

Albert etwa wird verurteilt, weil er betrunken den Zugverkehr blockiert hat, und Robbie, der da nicht zum ersten Mal steht, bekommt seine letzte Chance, weil seine Freundin hochschwanger ist. Alle, die dieses Gerichtsverfahren durchlaufen, werden zu Sozialstunden verdonnert, die sie unter Anleitung des Aufsehers Harry in Glasgow abarbeiten müssen.

Für Robbie wird Harry so etwas wie ein väterlicher Freund. Robbie steht unter Druck: Der Vater seiner Freundin möchte nicht, dass er mit ihr eine Familie gründet, Schläger einer verfeindeten Familie sind hinter ihm her, und auch seine Freundin gibt ihm nur noch eine Chance. Dass Robbie auch ein übler Schläger sein kann, zeigt Loach in einer Rückblende. Das verordnete Täter-Opfer-Gespräch, bei dem er seinem dauerhaft verletzten Opfer gegenübersitzt, gehört zu den eindrucksvollsten Momenten des Films.

Harry begeistert seine zum Sozialdienst verurteilte Truppe für Whisky. Es erweist sich, dass Robbie eine feine Nase hat. Bei einem Tasting kriegen Robbie und die anderen mit, dass ein letztes Fass einer bereits geschlossenen Destillerie in den schottischen Highlands zur Versteigerung ansteht.

Als Mitglieder eines Whiskyclubs und mit schottischen Kilts getarnt, ziehen sie mit Mastermind Robbie einen letzten Coup durch und zapfen vier Flaschen ab. Was nicht sonderlich auffällt, denn bis zu ein Prozent verdunsten sowieso, was in der Sprache der Whiskykenner "Angels' Share" heißt. Immer mehr verwandelt sich "Angels' Share" von einem Sozialstück zu einem Märchen, aber nicht so stilisiert und abgehoben wie etwa Aki Kaurismäkis "Le Havre", (das wir übrigens in Kooperation mit der Katholischen Jugend am 21.05. 20:00 Uhr in St . Johannes zeigen) sondern viel realistischer, als ein Lehrstück darüber, wie aus proletarischer "Street Smartness" ein ausgeklügelter Raubzug wird.

Für die notwendige Erdung sorgt auch das Darstellerensemble, das Loach aus Laien, Newcomern und professionellen Schauspielern zusammengestellt hat. Es ist eine große Kunst, einfache Menschen überzeugend darzustellen, und sie meistern es überragend. Vor allem Paul Brannigan als Robbie, der eine ähnliche Vita hinter sich hat wie seine Figur, hat in seinem ersten Leinwandauftritt eine Natürlichkeit, dass man ihm auch seine Läuterung abnimmt.

Freuen sie sich mit uns auf einen ausgefallenen Sommerfilmabend. Roland Geßl