Filmabend Freitag 15.12.2017 19:30 Uhr

Eine Komödie zum Sehen, Fühlen und Schmecken

Ein wunderbares Rien ne va plus als Abschluss der Filmabende 2017. Frankreich wie aus dem Bilderbuch, voller warmer Farben, Landschaften und voll des Guten Essens. Lassen sie sich bei diesem absolut sehenswerten Film zum Träumen einladen. Reisen sie mit uns ein wenig durch den Jahreskreislauf oder fühlen sie sich einfach „wie Gott in Frankreich“...

Ver~ rückt nur, dass der Film des schwedischen Regisseurs Lasse Hallström gar keine französische Produktion ist.

FSK 0, 122 min.) (Wie immer bei entspannter und gemütlicher Atmosphäre im Gemeindehaus)


Bereits als kleiner Junge probiert Hassan Kadam zusammen mit seiner Mutter in der Küche des Familienrestaurants neue Rezepte, Aromen und Gewürze aus. Als er erwachsen ist, steht für ihn fest: Er will und muss einfach Koch werden. Doch dann wird die Familie in Indien Opfer eines politischen Angriffs und Hassans Mutter stirbt. Die Kadams beschließen, in Europa neu anzufangen.

Aufgrund einer Autopanne landen sie schließlich in einem kleinen südfranzösischen Dorf, wo Papa Kadam ein leerstehendes Haus erwirbt, welches er in das „beste indische Restaurant“ im Ort verwandeln möchte. Dass die Einheimischen der indischen Küche eher skeptisch gegenüberstehen, ist das kleinere Problem. Denn genau gegenüber gibt es ein Sterne-Restaurant, geführt von der rigiden und ehrgeizigen Madame Mallory. Und die ist entschlossen, den Kampf der französischen Haute Cuisine gegen den Duft von Curry aufzunehmen. (Dem Film wurde von der FBW das Siegel besonders wertvoll verliehen. Ein Auszug aus der Fimbeschreibung)


Eine lesenswerte kritische Würdigung dieses geschmackvollen Meisterwerks habe ich dankend der evangelischen Filmzeitschrift epd entnommen. Danke, dass wir diese hier wiedergeben dürfen.

Die Darstellung bestimmter Genüsse ist eine Wette, auf die sich das Kino wacker einlässt, obwohl es sie eigentlich von vornherein verloren hat. Während die Erotik in der Regel ein Schauwert bleiben darf (wenngleich unterstützt von einer suggestiven Tondramaturgie), muss das Kochen stets auch als Metapher dienen.

»Essen ist Erinnerung«, heißt es einmal in diesem Film. Er nimmt die Redewendung ernst, der zufolge die erste Sehnsucht der Migranten der heimischen Küche gilt. »Man kocht mit Geistern«, gab seine Mutter dem jungen Hassan mit auf den Weg, bevor sie dem Feuer zum Opfer fiel, das religiöse Fanatiker im Restaurant der Familie in Mumbai legten.

Nun versucht die Familie unter Führung des listigen Papa, in Europa eine neue Heimat zu finden. Dabei lässt sie sich von ihrem Geschmackssinn leiten. England wurde als Option rasch verworfen, weil dort das Gemüse keine Seele hat. In der südfranzösischen Provinz hingegen finden die Naturalien Wohlgefallen.

Allerdings setzt es sich Papa in den Sinn, seine neue Gaststätte ausgerechnet gegenüber dem Restaurant »Le Saule Pleureur« zu eröffnen, das Madame Mallory mit eisiger Strenge und Traditionsbewusstsein zu einem Michelin-Stern geführt hat. Sogleich entbrennt ein Krieg der Töpfe, der von beiden Seiten mit harten Bandagen geführt wird. Anfangs stößt die gastronomische Invasion aus Indien auf Argwohn unter den Bewohnern der beschaulichen Ortschaft. Der Bürgermeister, ein ebenso begabter Opportunist wie Feinschmecker, versucht, zu schlichten. Insgeheim findet längst auch schon eine Fraternisierung zwischen den feindlichen Lagern statt, denn Hassan hat sich in eine der Köchinnen von gegenüber verliebt.

Die Konfliktstellung und ihre Lösung erinnern an Lasse Hallströms ersten großen Hollywooderfolg Chocolat. Auch hier lässt sich eine stickige Provinzgemeinschaft in Frankreich von einer kulinarischen Innovation verführen, an der sie zunächst moralischen Anstoß nahm. Das Plädoyer für Toleranz weitet der Film auf das Terrain der Integration einer fremden Kultur aus. Sie darf exotisch und der gesellschaftliche Kontext unverfänglich bleiben. Der Kampf um kulturelle Identität beschränkt sich auf die Küche. Diese Engführung ist praktisch, denn im Kern erzählt der Film eine inspirierende Heldenreise: Hassan sucht seinen Platz in der Welt. Aber wie würde diese Reise verlaufen, wenn dieser Migrant keine außerordentliche Begabung besäße?

Hallström konzentriert sich auf die märchenhaften Züge der Geschichte. Die Kamera schwelgt nicht nur, wenn sie das Kochen zeigt. Die Sonne scheint über dieser Landschaft häufiger und malerischer unterzugehen als anderswo. Und man gewinnt den Eindruck, das Feuerwerk zum 14. Juli würde mehr als einmal im Jahr entfacht.

Natürlich sprechen wir hier nicht von einem intellektuellen Arthouse-Film. Aber ich würde es ungerecht finden, die Leistung unseres Regisseurs Lasse Hallström zu schmälern. Denn einen Film wie diesen zu drehen ist sehr viel schwieriger als es aussieht. Im Grunde ist das wie die Zubereitung eines Soufflés. Natürlich dreht sich alles um die Leichtigkeit. Doch wenn man nicht aufpasst oder die falschen Zutaten hat, fällt das alles ganz schnell in sich zusammen und wird geschmacklos. (die Hauptdarstellerin Hellen Mirren in einem edp-Interview)

Wir freuen uns wieder auf Sie!

Roland Geßl

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