Filmabend Freitag 16.02.2018 19:30 Uhr

Geht's noch? Oder ein Mann ein Wort

Wenn alle Stricke reißen werfe ich mich hinter den Zug.

Nein! So denkt Ove,unser peinlich genauer Held nicht. Obwohl er auf allerlei Arten versucht seinem - für ihn sinnlos gewordenen - Leben ein Ende zu setzen, will es ihm irgendwie einfach nicht gelingen. Dumm gelaufen? Was folgt sind nahezu zwei Stunden beste schwedische Literaturverfilmung.

Nachdenklich und hoffnungsfroh zugleich, wird in dieser mit schwarzen und trockenem Humor gespickten Geschichte, weitaus mehr als nur die Frage nach der besten schwedischen Automarke beleuchtet. (FSK 12, 116 min.)

Wir freuen uns auf das neue Filmjahr mit unserer neue Filmreihe. (Wie immer bei entspannter und gemütlicher Atmosphäre im Gemeindehaus)

Kontakt: filmteam@st-markus-oberasbach.de


Dem Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung das Prädikat besonders wertvoll verliehen. Danke, dass wir die wirklich lesenswerte Filmbeschreibung und Auszüge der Jurybegründung wiedergeben können:


Einen Nachbarn wie Ove zu haben, ist nicht gerade ein Zuckerschlecken.

Penibel kontrolliert der Mann, der nun auch noch seinen Job bei der Eisenbahn verloren hat, jeden Morgen, ob auch kein Müll auf der Straße liegt, das Fahrverbot durch die Siedlung eingehalten wird, die Garagentore abgeschlossen sind. Nichts entgeht dem strengen Blick des verbitterten Griesgrams.

Nur einmal am Tag scheint er sanftmütig zu werden, wenn er mit Rosen das Grab seiner Frau besucht.

Ihr erzählt er von den neuen Nachbarn, die gerade nebenan eingezogen sind und die ihn ständig wegen irgendetwas nerven. Von der Katze, die ihm nicht mehr von der Seite weichen will. Von der Welt, die ihn einfach nur wütend macht. Und er verspricht ihr, bald bei ihr zu sein. Denn Ove will seinem Leben ein Ende setzen. Doch wie soll man denn in Ruhe einen Selbstmord planen, wenn ständig jemand vorbeikommt und stört?



Der Film ist die Verfilmung eines gleichnamigen schwedischen Bestsellers von Fredrik Backman.

Ganz im Stil der Vorlage vereint Regisseur Hannes Holm den augenzwinkernden und trockenen Humor mit berührenden Momenten der Erinnerung Oves an sein langes und ereignisreiches Leben. Denn immer, wenn Ove gerade kurz davor steht, seinen Selbstmord-Plan in die Tat umzusetzen, geht der Zuschauer mit Ove zurück in die Vergangenheit und lernt so Seiten an Ove kennen, die dieser eigentlich verbergen möchte.

Der Film hält geschickt die Balance zwischen großer Unterhaltung, die auch aus den leichtfüßigen Dialogen resultiert, und tiefen wahrhaftigen Momenten, die im gelungenen Zusammenspiel des gesamten Ensembles voller authentischer und wundervoll besetzter Figuren entstehen. An der Spitze steht dabei Rolf Lassgård als Ove. Äußerst überzeugend spielt er seine Rolle als mürrischer und polternder Miesepeter, der auf die Welt nicht gut zu sprechen ist und sie am liebsten aussperren möchte.

Doch als die junge Iranerin Parvaneh, die von Bahar Pars sympathisch zupackend und mit grundoptimistischer Lebensfreude gespielt wird, die harte Schale des Griesgrams zu knacken beginnt, wandelt sich auch Lassgårds Mimik. Rührend und bezaubernd sind diese Momente der Annäherung, die offenbaren, wie sanft dieser Ove auch sein kann und wie es gelingt, diese Figur nicht zu fürchten, sondern sie tief ins Herz zu schließen.

Die Komödie ist auch deswegen so komisch, weil Ole so extrem in seinem Kontrollwahn und seinen Beleidigungen ist. Und Rolf Lassgard kann sich in der Rolle hemmungslos austoben, wobei ihm aber das Kunststück gelingt, Ole nie zu einer Karikatur im Stil vom „Ekel Alfred“ werden zu lassen.

Stattdessen wirkt er erstaunlich authentisch, besonders in jenen Momenten, in denen er die ursprüngliche Sanftheit der Figur durchscheinen lässt, wenn Ole etwa das Grab seiner Frau besucht oder sich um die Kinder von Parvaneh kümmert.


Roland Geßl

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