Der Zwei auf einen Streich-Filmfreitag 19.10.2018 19:30 Uhr

Veränderung beginnt mit einem Flüstern und so nebenher auch eine Geschichte über Toiletten und Schokoladenkuchen.

Wunderbares amerikanisches Erzählkino.

Der Film spielt in den frühen 1960er Jahren, in einer Zeit, als Martin Luther King die Befreiung der Schwarzen in Amerika fordert, Kennedy ermordet wird und die Trennung der Rassen durch strenge Gesetze und Bestrafungen noch immer fest geschrieben ist. Die junge energische Skeeter kehrt im Jahr nach ihrem Journalistik-Studium in ihre Heimatstadt Jackson im Süden der USA zurück. Zu dieser Zeit genießen die weißen Frauen das Leben und die schwarzen Frauen sind Dienstboten und Nannys für die vernachlässigten Kinder. Für Skeeter scheint die Zeit reif, den benachteiligten Frauen endlich eine Stimme zu geben.

Gemeinsam mit den Dienstmädchen schreibt sie ein Buch und verstößt damit nicht nur gegen den guten Ton, sondern auch gegen das Gesetz, wodurch sie sich und alle, die ihr geheimes Projekt unterstützen, in Gefahr bringt, allen voran die gutherzige Aibileen, die Skeeter als Erste für ihr Projekt gewinnen kann, und die resolute Minny, die mit ihrem vorwitzigen Mundwerk und ihrem einzigartigen Schokoladenkuchen für Furore sorgt. Der Film lässt sich Zeit und erzählt in opulent ausgestatteten Bildern in großer Leichtigkeit von Gruppenzwang und Ausgrenzung.

(FSK 0 146 min.) (Wie immer bei entspannter und gemütlicher Atmosphäre im Gemeindehaus)

 
Die Filmbeschreibung wurden dankend der Filmseite epd-film entnommen.

In den USA war Tate Taylors Literaturverfilmung 2011 ein Überraschungshit: Eine aufstrebende junge Autorin entdeckt die Ungerechtigkeiten zwischen Schwarz und Weiß

Ich bin ein Dienstmädchen«, erklärt Aibileen (Viola Davis), »genauso wie meine Mutter. Meine Großmutter war eine Haussklavin«.

Jackson, Mississippi, in den frühen 60er Jahren: Gerade einmal drei Generationen ist es her, dass in den amerikanischen Südstaaten die Sklaverei abgeschafft wurde. Für viele afroamerikanische Frauen hat sich seitdem im Grunde nur wenig verändert. Die meisten von ihnen arbeiten für einen Hungerlohn als Dienstmädchen in den Häusern der weißen Oberschicht. Sie kochen, putzen, kümmern sich um die Kinder und haben oft ein engeres Verhältnis zu ihnen als deren Eltern.

Siebzehn Kinder hat Aibileen schon großgezogen.

Auch ihre derzeitige Arbeitgeberin Elisabeth hat sie als kleines Mädchen im Arm gehalten, aber die Vertrautheit ist längst einer klassenbewussten Distanz gewichen. Die jungen Ehefrauen leben hier ein von beruflichen und hauswirtschaftlichen Pflichten weitgehend befreites Leben zwischen Kaffeekränzchen, Cocktailpartys und der Organisation von Wohltätigkeitsbällen.

In dieses Milieu kehrt Skeeter (Emma Stone) nach ihrem Studium zurück.

Sie träumt davon, Schriftstellerin zu werden. Für die Lokalzeitung soll sie eine Hausfrauenkolumne mit aktuellen Putztipps verfassen; sie bittet Aibileen dabei um Hilfe und stellt bald fest, dass die Hausangestellte sehr viele interessante Geschichten zu erzählen hat. Skeeter beschließt, ein Buch über die afroamerikanischen Dienstmädchen zu schreiben, und zieht damit nicht nur den Argwohn ihrer Freundinnen auf sich, sondern verstößt auch gegen die Rassentrennungsgesetze des Staates Mississippi.

Jede Figur scheint hier mit feinem Strich gezeichnet und wurde von Sissy Spacek als hellsichtig- debiler Großmutter bis hin zu der fabelhaften Jessica Chastain in der Rolle der Außenseiterin, die von ihrem Hausfrauendasein und dem lokalen Zickenkrieg vollkommen überfordert ist, hervorragend besetzt. Aber eigentlich gehört die Leinwand Viola Davis, die der Rolle der Aibileen eine unglaubliche Tiefe verleiht und allein mit ihren Augen ganze Lebensgeschichten erzählen kann. Würde und Verletzlichkeit, Verachtung und Zuneigung, Verbitterung und Lebenswille sind in ihrem Spiel nur einen Lidschlag voneinander entfernt. (01.12.2011 Martin Schwickert)

Ein Film über Toiletten und Schokoladenkuchen und natürlich viel mehr...

Da spielt einer geschickt mit eigentlich ALLTÄGLICHEM und doch kann man sich kopfschüttelnd unsere „geht’s noch?“ Frage stellen, wenn die farbigen Dienstmädchen wie selbstverständlich Kinder der Dienstherrinnen aufziehen oder die Damen freudig Essen aus den Händen der Dienstboten annehmen aber sich sich schaudern wenn die Farbigen eine gemeinsame Toilette benutzen...

Roland Geßl