Filmsommerabend im Kirchenkeller von St. Johannes Freitag 04.08.2017 20:00 Uhr

Ein himmlischer Film! Schöpferisch, mächtig, facettenreich, absurd, radikal und sanft zugleich

Zusammen mit Filmenthusiasten der katholischen Nachbargemeinde gestalten wir heuer den 3. ökumenischen Filmsommerabend; eine schöne kleine Tradition und wie immer ausgezeichnet, liebevoll und ver~rückt.

Nach der Côte d'Azur und der Provence wollen wir diesmal zu einer Reise in das sommerliche Brüssel entführen. Düfen wir sie einladen einfach ein wenig mit der Fantasie zu spielen; zu einer Geschichte über eine neues Neues Testamentes.

Welches Bild haben wir von Gott? Sicher nicht die des banalen Familienoberhauptes, der im gestreiften Frottemorgenmantel durch ein triste Hochhauswohnung wandelt und sich fiese Gebote ausdenkt... Fantasy! - doch genau darin liegt ein Teil der Magie von Filmen.

Weil diese Filmperle vor bunten Einfällen, skurrilen Ideen und liebenswerten Figuren nur so übersprudelt hat mich der Streifen von Anfang bis Ende verzaubert und begeistert...

Die Filmbeschreibung wurde dankend der Filmpressemappe entnommen:

Gott existiert. Er lebt in Brüssel.

Doch das ist leider nur die eine Seite der Medaille. Denn der Allmächtige ist kein weiser Weltenlenker, sondern ein Familienvater, der frustriert im Bademantel durch die Wohnung schlurft und Frau und Tochter Éa tyrannisiert. Ansonsten hockt Gott vor seinem Computer und tüftelt mit diebischer Freude jene dummen, sadistischen Gebote aus, die zu den Fragen führen, die die Menschheit bewegen:

Warum fällt der Toast immer auf die Marmeladenseite und weshalb erwischt man im Supermarkt grundsätzlich die langsamste Schlange an der Kasse? Als wäre das nicht schon schlimm genug, lässt er immer wieder Dampf ab, indem er Naturkatastrophen oder Kriege arrangiert.

Irgendwann hat Éa die Nase voll. Höchste Zeit für eine Lektion, findet sie. Und hackt sich in Gottes Computer ein. Die geheimste seiner geheimen Dateien, die Todesdaten aller Menschen, ist schnell geöffnet. Und dann dauert es nur noch ein paar Klicks, bis jeder Mensch auf Erden per SMS erfährt, wie lange er noch zu leben hat. Diese schockierende Botschaft nehmen manche besser auf als andere und plötzlich denken alle Menschen darüber nach, was sie mit der ihnen verbleibenden Zeit anfangen wollen.

Éa bricht fluchtartig auf, um auf der Erde sechs neue Apostel zu suchen und ein brandneues Testament zu schreiben. Doch Gott ist der Meinung, dass er inmitten des ganzen Chaos auch noch ein gewaltiges Wort mitzureden hat...

 

 

Wie geht man damit um, wenn man unverhofft erfährt, wie lange man noch zu leben hat? Einfach so weitermachen wie bisher? Oder die verbleibende Zeit sinnvoll nutzen?

Das sind einige der Fragen, die Belgiens Ausnahmeregisseur Jaco Van Dormael mit seinem vierten Film stellt (und beantwortet).

Genauso hintersinnig wie witzig geht er weiteren Rätseln nach, etwa, was Gott in einem Waschsalon zu suchen hat und weshalb 18 Apostel womöglich besser sind als zwölf...


Ist dieser Werk respektlos oder verletzt es gar religiöse Gefühle? Ja und nein! Es kommt wie immer auf die Sichtweise an. Der Film will provozieren und tut es auch. Eine satirisches Lustspiel, das mit zahlreichen Zweideutigkeiten nicht nur christliche religiöse Glaubensaussagen in ihr Gegenteil verkehrt, damit aber gerade zu ei­nem neuen Nachdenken über Gottesvorstellungen und biblisch-christlichen Welt- und Men­schenbilder herausfordert.

Freuen sie sich mit uns - wieder - auf einen ganz besonderen Filmsommerabend im sommerlich-kühlen Kirchenkeller unserer Nachbarkirchengemeinde St. Johannes (St-Johannes-Str. 4, 90522 Oberasbach).

Roland Geßl