Filmsommerabend in St. Johannes Freitag 13.07.2018 20:00 Uhr

Zusammen mit Filmenthusiasten der katholischen Nachbargemeinde gestalten wir heuer den 4. ökumenischen Filmsommerabend; diesmal mit einer starbesetzten sommerlichen geht’s noch Geschichte aus dem gutbürgerlichen München. Wie immer schräg und liebevoll zugleich.

Nach zweimaligem Sommerfeeling in Frankreich und einem Filmbesuch in Brüssel, wollen wir sie diesmal mit einer Culture-Clash-Komödie in die bayerische Landeshauptstadt entführen. Entstanden knapp ein Jahr nach der „wir schaffen das!“ Rede und der ersten Willkommenskultur spielt die Geschichte auf wunderbare Weise mit allen Fettnäpfchen und Vorurteilen rund um Familienverbund, Midlife-Crisis und Flüchtlingspolitik.

So richtig viel Spannung hält das Leben für Angelika Hartmann (Senta Berger) ja nicht mehr bereit, keiner in der Familie braucht sie mehr: Ihr Mann Richard (Heiner Lauterbach) hat vor lauter Alterssorgen keinen Blick mehr für sie, Sohn Philipp (Florian David Fitz) ist mit Karriere, Scheidung und dem vorlauten Enkel Basti (Marinus Hohmann) beschäftigt, Tochter Sofie (Palina Rojinski) weiß mit Anfang dreißig immer noch nicht, was sie vom Leben will. Da kommt der engagierten alten Dame eine Idee: Warum sich nicht für die armen Flüchtlinge einsetzen, welche es zuletzt zuhauf gibt? Gesagt getan, kurze Zeit später entscheidet Angelika Hartmann einem Flüchtling in ihrer Villa willkommen zu heißen. Mit dem aus Afrika stammende Diallo (Eric Kabongo) zieht das Chaos gleich mit bei Familie Hartmann ein...

Eine Komödie zur Flüchtlingskrise - geht das?

Der Regisseur Simon Verhoeven beschreibt hierzu. Ich persönlich empfinde es so: Die Lage ist verwirrend und komplex. Mein Film ist natürlich kein „Refugees welcome“-Märchen und auch keine zynische Anti-„Wir schaffen das“-Komödie – auch wenn sich manche Menschen vielleicht nach dieser Art Schwarz-Weiß-Malerei sehnen. Das Land ist in diskursiver Bewegung, wie ich es seit meiner Geburt noch nicht erlebt habe. Die Menschen streiten, suchen, adjustieren ihre Haltungen. Diese Verwirrung, diese Unsicherheit, diese Volatilität bedeuten aber auch eine recht fruchtbare Ausgangslage für eine Komödie. Und der Film ist in erster Linie nun mal einfach eine Komödie.

Sie kann und will nicht im Geringsten irgendwelche ernst zu nehmenden politischen Lösungen anbieten. Ich persönlich hoffe allerdings, dass mein Film zumindest ein wenig zur allgemeinen Entkrampfung beitragen kann. Dass er vielleicht dabei sogar den einen oder anderen Impuls zum Nachdenken geben kann, auf menschliche Art. (FSK 12, 111 min.)

Freuen sie sich auf einen wunderbaren Filmsommerabend im kühlen Kirchenkeller von St. Johannes! (St.-Johannes-Straße 4, 90522 Oberasbach)

Dem Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung das Prädikat wertvoll verliehen. Danke, dass wir Auszüge der Filmbeschreibung und der Jurybegründung wiedergeben können:

Diallo ist ein Flüchtling aus Nigeria. Bis zur offiziellen Entscheidung über seine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland bleiben Diallo noch vier Wochen. Er lebt in einer der vielen Flüchtlingsunterkünfte in München, fühlt sich aber dort nicht wohl. Wie gerufen kommt da die Entscheidung der Familie Hartmann, Diallo bei sich aufzunehmen. Denn Mutter Angelika, unzufrieden mit sich und der Weltlage, möchte etwas für die Menschheit tun.

Vater Richard, seines Zeichens Chefarzt einer Klinik, steht dem Ganzen skeptisch gegenüber, wie übrigens auch seinem zunehmenden Alter, den Falten und dem drohenden Ruhestand. Tochter Sophie findet es gut, was die Mutter tut – und weiß selbst nicht, wo es mit ihrem Leben hingehen soll. Sohn Philip hat einen stressigen Job und muss zudem seinen Sohn allein großziehen. Alles in allem ein wunderbares Umfeld, um sich als Neuankömmling in Deutschland so richtig wohl zu fühlen, oder?

Mit einem gut aufgelegten Spiel aller Darsteller, allen voran Senta Berger als gutmenschelnde und überbesorgte Mutter und Heiner Lauterbach als Workaholic in der Midlife-Crisis, kann die satirische Komödie von Simon Verhoeven überzeugen. Auch der Rest des Cast zeigt hohe Spielfreude und wird durch eine sichere und gut getimte Schauspielführung zu einem stimmigen und harmonischen Ensemble.

 

Der Film kommt nach Auffassung der Jury genau zur richtigen Zeit, in der sich das Pro und Contra Lager zur Aussage „Wir schaffen das“ unversöhnlich gegenübersteht. Mit den Mitteln der Komödie werden die verschiedenen Aspekte rund um Integration von Flüchtlingen feinfühlig und satirisch aufgezeigt, wobei dem Publikum ein Spiegel vorgehalten wird.

Jede der Figuren wird liebevoll aufs Korn genommen: die engagierte Mutter und ehemalige Schuldirektorin, die einen Flüchtling in ihre Villa aufnehmen will; unterstützt wird sie von der dauerstudierenden Tochter, skeptisch sind der konservative Vater, einem mit seinem Alter hadernder Chefarzt und der durch die Welt jettende Sohn, allein erziehender Vater, der nie Zeit für seinen Sohn hat. Als Diallo, ein Flüchtling aus Nigeria, dessen Asylantrag noch entschieden werden muss, zu den Hartmanns zieht, nimmt der Film richtig Fahrt auf.

Diallo wird zum Katalysator für die Konflikte und Probleme, die es bei den Hartmanns als ganz normale Familie gibt. Pointiert und amüsant sind die Dialoge, in denen der Flüchtling sein Unverständnis zum Ausdruck bringt, wieso die über 30jährige Tochter noch keine Kinder hat oder wenn er mit Vater Hartmann über Familienbeziehungen redet. Mit Leichtigkeit und Beiläufigkeit werden Themen wie Generationskonflikte, Konkurrenzkampf, Älterwerden angegangen. Zu den ganz normalen Probleme der Hartmanns kommen nach der Aufnahme von Diallo noch die Überwachung durch Drohnen-fixierte Polizisten und eine Mahnwache national gesinnter Wutbürger, was zu einem fulminanten Showdown führt.

In dem Ensemblefilm ist jede Rolle treffsicher besetzt. Die Schauspieler, allen voran Senta Berger, agieren durchweg mit großer Spielfreude. Und es gibt dazu ein hübsches Wiedersehen mit den MÄNNER-Buddies Heiner Lauterbach (Vater Hartmann) und Uwe Ochsenknecht als Schönheitschirurg sowie Ulrike Kriener als durchgeknallte 68erin. Der Film hat den Zeitgeist gut eingefangen, er stellt die Fragen, die man sich selbst stellt und bringt mit den Mitteln der Komödie das Publikum zum Lachen und zum Nachdenken. Die Jury vergibt ein einstimmiges „Prädikat wertvoll“.

Wir freuen uns wieder sehr auf diesen Filmabend im kühlen Kirchenkeller von St. Johannes. Sommerwetterbedingt ist im Gemeindehaus bis September Filmpause. Aber mit der ersten (Kuhltour) Filmsommernacht am Kleinleinshof haben wir ein noch einen verlockenden Vorschlag für den 03. August.

Roland Geßl