Bereichernder Dienst: 43 Jahre unterwegs als Lektor

Interview mit Wolfgang Ebert - „Urgestein“ von St. Markus

 

Pfr.: Herr Ebert, Sie haben der Gemeinde St. Markus in vielerlei Funktionen gedient, u. a. als Kirchenvorsteher und Chorleiter. Wie sind Sie aber dann zum Lektorenamt gekommen?

Ebert: Das kam so nach und nach! Zuerst war ich Liturg in Gottesdiensten zusammen mit dem erblindeten Pfarrer Opp: Er hat gepredigt, während ich die Liturgie
übernahm. Ganz plötzlich musste ich dann mal zusätzlich die Predigt lesen, als der diensthabende Vikar am Sonntagmorgen auf einmal keine Stimme mehr hatte! Schließlich hat Pfr. Beyer Herrn Schulz und mich auf Lektorenfortbildung geschickt, die wir gemeinsam bis 1974 absolvierten. Der Startschuss war dann der 6. Januar 1975; damals hielt ich erstmals alleinverantwortlich in St. Lorenz Gottesdienst.

Pfr.: Das sind ja über 42 Dienstjahre! So viel schafft ja mancher Pfarrer nicht! - Wie oft waren Sie als Lektor im Einsatz und an welchen Orten?

Ebert: Durchschnittlich 14 Gottesdienste pro Jahr habe ich gehalten. Die Liste der
Gemeinden, für die ich aktiv war, ist lang: neben St. Markus auch für die anderen beiden Oberasbacher Gemeinden; zusätzlich in den letzten Jahren vor allem in Zautendorf, Wachendorf und Cadolzburg.

Pfr.: Was macht Ihnen an dieser Aufgabe besondere Freude?

Ebert: Mir ist wichtig, dass in einem Gottesdienst alles gut zusammenpasst, nämlich Lesungen, Lieder und Predigt. Dabei will ich immer ganz hinter der Predigt stehen
können, auch wenn es ja eine Lesepredigt ist. Mit den Jahren bin ich da mutiger
geworden und traute mich mehr und mehr, Teile zu aktualisieren oder sprachlich für mich anzupassen. Mit einer sangesfreudigen Gemeinde feiere ich besonders gern
Gottesdienst!

Pfr.: Gibt es Vorkommnisse, die Ihnen in besonderer Erinnerung bleiben?

Ebert: Ich erinnere mich an eine Anfrage aus Zautendorf, als es auf einmal hieß, man
habe keinen Organisten für den Sonntag. Ich fragte Christiane Hammerbacher, ob sie mich dorthin begleiten würde. Für sie damals ihr erster Dienst an der Kirchenorgel! -
Irgendwie musste man immer mit Über-raschungen rechnen: Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich wegen einer Straßensperrung beinahe nicht pünktlich zum
Gottesdienst erschienen wäre. Es gab so manches, was mit einem Stoßgebet und im Vertrauen auf Gottes Hilfe gemeistert werden konnte! Trotzdem - mein 80. Geburtstag ist ein guter Zeitpunkt, um mich vom Lektorenamt zurückzuziehen!

Pfr.: Wir wünschen Ihnen einen ganz schönen Geburtstag und alles Gute! Als Lektor werden wir Sie bestimmt vermissen! Vergelt‘s Gott und vielen Dank für dieses Gespräch!


Das Interview führte M. Hessenauer