Kennzeichen bzw. Bekenntnis

Predigt am 02. Juli 2017 zur Begrüßung der neuen Konfirmanden von Pfarrehepaar Hessenauer/Kreile über das Band am Arm.

Gerade haben wir im Bibeltext aus Kolosser 3,12-17gehört, dass wir uns umziehen sollen: Wir sollen als von Gott Auserwählte schöne Kleider anziehen wie Geduld, Sanftmut und Freundlichkeit.
Und dann heißt es: Es gibt noch ein anderes wichtiges Kleidungsstück, das eigentlich erst das Outfit vollkommen macht. Es ist das Band der Liebe. Dies sollen wir anziehen.

Das wäre schon toll, wenn es so einfach ginge, und wir uns eine Einstellung und gute Eigenschaften einfach mal schnell überstreifen könnten. Ein Band, das sich wirklich ganz schnell anziehen lässt, ist das Armband. Dieser Schmuck am Arm ist  gut sichtbar und lässt sich darum auch schnell mal zeigen. Ein Armband trägt man ganz nah bei sich – hautnah und immer im eigenen Blickfeld.

Vielleicht deshalb gibt es z.B. im Schwimmbad den Schlüssel fürs Schließfach am Band, damit man es sich umlegt und im Blick behält. Wir haben festgestellt, dass Armbänder auch sonst in ganz verschiedenen Lebenssituationen eine wichtige Rolle spielen. Ein paar möchten wir Euch und Ihnen jetzt vorstellen:

Namensarmbändchen bei der Geburt
Über ein Armbändchen war ich in meinem Leben sehr glücklich. Das hatte allerdings nicht ich am Arm, sondern unser eben geborener Sohn. Da war ich natürlich als Vater gerührt und stolz. Und ich war besonders über das Bändchen sehr erfreut, das da um sein dürres kleines Ärmchen gemacht wurde. Denn ganz liebevoll mit Buchstabenperlen stand sein Name drauf: XY. Für das Personal sind solche Bändchen natürlich ganz wichtig, damit sie die Kinder den Müttern zuordnen können und auch Verwechslungen ausgeschlossen sind. Aber sehr oft werden in Krankenhäusern inzwischen einfache Kunststoffbänder benutzt mit Nummer und Strichcode drauf und einem klitzekleinen Namensfeld. Denn in einem Riesenkrankenhaus oder in einem Betrieb ist man oft nur eine Nummer.
Ich bin für viele nur eine Nummer: ich habe eine Personalnummer, eine Steueridentifikationsnummer, Krankenversicherungsnummer, Kontonummer usw. Eine Nummer zu sein bedeutet: Ich bin einer unter sehr vielen, es interessiert niemand, wer ich bin, denn ich verursache nur Arbeit. Deshalb ist es schöner, wenn man uns mit Namen kennt. Daran merken wir, dass wir anderen etwas bedeuten. Vor allem Eltern haben die Namen ihrer Kinder lange überlegt und wenn sie die Kinder rufen, schwingt immer etwas mit von Nähe, Liebe und Geborgenheit, die Eltern geben.

Genauso ist es mit Gott: Für ihn sind wir nicht Nummer, sondern Name. So sagt er jedem von uns: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. In der Taufe wird besiegelt und sichtbar gemacht, dass Gott uns mit Namen kennt und wir ihm wichtig sind. Das sollen wir nicht vergessen und davon singen wir im folgenden Lied.
Lied: Vergiss es nie

Einlassband (Pfarrerin)
Inzwischen gibt es Armbänder, die richtige Souvenirs sind und die man manchmal jahrelang nicht abmacht. Ich spreche von den Einlassbändern für Konzerte oder Festivals, wie Rock im Park.
Einlassbänder erlauben Dir, teilzunehmen. Man kommt nur rein mit Band. Das Band macht erkennbar, dass Du dazugehörst. Mit solchen Bändern am Handgelenk kann man dann schon mal stolz zeigen, wo man überall mit dabei war.

Gibt es auch eine Einlasskontrolle für die Konfirmation?

Bei der Anmeldung haben wir nach Eurem Taufschein gefragt. Eure Eltern haben Euch meist als Babies taufen lassen und euch damit Gott ausdrücklich anvertraut. Damals habt ihr sozuagen das Armband umgelegt bekommen: Gottes Kind. Die Taufe ist sozusagen das Einlassband in die Kirche. Inzwischen seid Ihr alt genug, Euch selbst über Gott und den Glauben Gedanken zu machen  und dann geht es unterwegs zur Konfirmation darum, dass Ihr Euch selbst entscheiden könnt für ein Leben mit Gott. So gesehen ist die Konfirmation das Einlassband in den Kreis der erwachsenen Christen, die für sich und für andere Verantwortung übernehmen möchten. Z.B. könnt Ihr als Konfirmierte dann selbst für andere Taufpate sein und ihnen die Tür in die Kirche öffnen.
Wir singen einen alten festlichen Choral über die offene Tür:

Tut mir auf die schöne Pforte

Armbanduhr (Pfarrer)
Armbänder finde ich eigentlich eher unangenehm. Aber ein Armband habe ich schon seit langen und immer an, nämlich meine Armbanduhr. Viele haben das gar nicht mehr, weil sie ihr smartphone benutzen, aber ich finde es bequemer, mal kurz so drauf schauen zu können. Die Uhr brauch ich natürlich, weil ich viele Termine habe, zu denen ich rechtzeitig und pünktlich kommen möchte. Doch wenn wir auf die Uhr schauen, bekommen wir nicht nur die Information, wie spät es gerade ist, sondern empfinden wir auch wie die Zeit vergeht. Manchmal vergeht sie langsam, z.B. oft in der Schule: Was so lange dauert die Mathestunde noch! Manchmal vergeht sie aber zu schnell und setzt uns der Blick auf die Uhr unter Druck: Was schon so spät und ich wollte noch so viel erledigen! Das ist bei mir leider häufiger der Fall. Und das versetzt mich und viele andere Menschen in Stress.

Wie gut, dass in der Bibel steht, dass Gott am 7.Tag ausruhte von seinem Schöpfungswerk und dass es deshalb den Sonntag gibt. Der Sonntag ist ein Tag, an dem wir uns erholen dürfen, Kraft schöpfen können, der niemand nützen muss, schon gar nicht dem Handel und der Industrie, und an dem wir zur Besinnung kommen können und nicht zuletzt an Gott denken können.
Am Sonntag könnten wir auch mal die Armbanduhr abnehmen, weil wir uns da nicht der Zeit unterwerfen müssen, sondern das ist geschenkte Zeit.

Wir singen von alten und neuen Stunden im Lied Geh unter der Gnade

Bekenntnisarmband (Pfarrerin)
Mit einem Armband lässt sich auch Flagge zeigen. Es gibt Armbänder in den Deutschlandfarben, die während einer FußballEM oder WM besonders gefragt sind, als Fanarmbänder.
Es gibt auch Armbänder mit politischen Botschaften, oft auf Englisch, wie make love not war oder free syria.

Ja, man kann mit Armbändern zeigen, wofür man ist. Dann ist so ein Armband wie ein Bekenntnis.
Und tatsächlich gibt es auch religiöse Armbänder, die etwas darüber mitteilen, was man glaubt.
Hier zum Beispiel sind die Perlen des Glaubens. An diesem Armband steht etwa die große goldene Perle für Gott. Vielleicht ist sie so groß, weil Gott größer ist als alle unsere Gedanken und die goldene Farbe der Perle deutet seine Heiligkeit an.

Es gibt noch jede Menge andere Glaubensarmbänder: Eines erzählt den Weg von Jesus nach. Daran finden sich u.a. der Stern – der bei seiner Geburt eine Rolle spielte, oder das Kreuz, an dem er gestorben ist. D. h. auch Christen können mit einem Armband Flagge zeigen, sich zu Jesus bekennen und so ausdrücken: Ich glaube und ein Glaube ist mir ein wichtiger Halt.

Im Konfiunterricht wollen wir Euch Jugendliche ein wenig aus der Reserve locken, damit ihr überlegt: Was glaube ich eigentlich? Welche Meinung habe ich zu diesem oder jenem Bibelwort? Was ist mir für mein Leben wichtig? Wir wollen Euch zur Begrüßung heute ein Band schenken mit einer englischen Botschaft, die sich nur begreifen lässt, wenn man weiß, was die Abkürzung aus 4 Buchstaben bedeutet: auf dem Band steht F-R-O-G und dahinter verbirgt sich die Einladung: Verlass dich voll auf Gott! Fully rely on God.

Um sich aber auf jemand verlassen zu können, ist es nötig, ihn gut zu kennen. Wir wollen im Kurs gemeinsam was über Gott rausfinden und darüber, wie wir in Kontakt sein können mit ihm.
(Nun bitten wir alle neuen Konfis mal nach vorne. Stellt euch doch mal nacheinander hier auf….
Ihr dürft euch nun so ein Armband nehmen und ummachen. Wir sind gespannt, wer ihr seid und bitten Euch, dass Ihr Euch vorstellt…)

Ich komme noch mal zurück aufs Armband:

Wenn man die Buchstaben als ein Wort liest, ergibt sich: Frog, Frosch.
Es gibt bei uns den Ausdruck: Sei kein Frosch! Hab keine Angst. Die Redewendung geht darauf zurück, dass Frösche äußerst schreckhafte Fluchttiere sind, die sich bei der kleinsten Bewegung in ihrer Nähe sofort aus dem Staub machen. Das wollen wir natürlich nicht, dass ihr Euch gleich wieder verschreckt aus dem Staub macht, sondern dass Ihr bleibt, um einander und die Kirchengemeinde kennenzulernen. Auch wenn Euch vielleicht gerade ein bisschen komisch wird, wenn ihr dran denkt, was da alles auf Euch zukommt, in der nächsten Zeit, möchten allen von Euch zurufen: Sei kein Frosch! Fully rely on God.

Wie sehr sich das lohnt, davon singen wir im nächsten Lied.
Lied: Bist zu uns wie ein Vater