Filmabend im Gemeindehaus 15.03.24 19:30 Uhr

Eine große filmische Erzählung über die Menschen im Norden Deutschlands, die nicht viel reden, es aber verstehen, sich zu kümmern, wenn es Not tut.

Ingwer Feddersen lehrt und lebt als Uni-Dozent in Kiel. Als er sich dazu entschließt, nach langer Zeit in sein Heimatdorf zurückzukehren, um sich um die betagten Eltern zu kümmern, erkennt er diesen Ort nach all den Jahren kaum wieder. Viele Geschäfte haben inzwischen geschlossen, die Schule gibt es nicht mehr und auch die Störche nisten nicht mehr im Dorf. Sein Vater steht trotz körperlicher Einschränkungen noch immer hinter dem Tresen der Dorfgastwirtschaft, während die Mutter zunehmend dement wird.

Nach und nach stellt Ingwer sich in der Verfilmung von Dörte Hansens Roman trotz aller Schwierigkeiten und Geheimnisse in seiner Heimat der eigenen Vergangenheit. Urkomisch, oft tieftraurig und einfühlsam...
Wir öffnen das Gemeindehaus an diesem Abend um 18:45 Uhr und es gibt im Vorfeld bestimmt mehr als eine Gelegenheit zum Sehen, Staunen und Kosten...


FSK 12, 97 min.

 

Wenn Sie schon mehr über den Film erfahren möchten: Hier eine lesenswerte Kritik von Ulrich Sonnenschein aus der Seite epd-Film
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Noch vor der Titelsequenz springt der Film von den 60ern in die 70er nJahre, in die Gegenwart und wieder zurück in die 70er, als wollte er zeigen, dass Zeit etwas sehr Relatives ist.

Raffiniert wird hier die persönliche Geschichte der Familie Feddersen in dem fiktiven nordfriesischen Dorf Brinkebüll, verwoben mit der Strukturveränderung auf dem Land, der Flurbereinigung und dem Kampf um ein altes Hügelgrab mit der Abnabelung eines jungen, klugen Mannes, der lieber studieren möchte, als den Gasthof seines Großvaters zu übernehmen erzählt

Aber das ist schon viel zu linear für die fast assoziative Erzählweise des Films, der im Grunde nur eine Hauptfigur hat, dieses kleine schicksalhafte Dorf, das es so gar nicht mehr gibt.

Mit dem Blick in den Himmel stolpert Marret Feddersen (Gro Swantje Kohlhof) auf ihren Holzpantinen die Straße entlang, den »Wachtturm« der Zeugen Jehovas in der Hand und skandiert mantrahaft: »Die Welt geit unner«, denn in Brinkebüll spricht man bis in die heutige Zeit hinein Plattdeutsch. Marret ist geistig behindert, kann aber die Menschen mit ihrer Stimme verzaubern und singt selbstbewusst in der Dorfband.

Dann kommen die Landvermesser zur großen Flurbereinigung, hinterlassen eine riesige Brache, die der intensiven Landwirtschaft auf die Beine helfen soll, und bei Marret einen dicken Bauch.

Sie weiß nicht, was mit ihr passiert ist und kommt erst nach der Geburt des Kindes zur Ruhe. Mütterliche Gefühle aber entwickelt sie nicht.

Später verschwindet sie spurlos, da weiß der kleine Ingwer längst, dass seine Mutter in Wahrheit seine Großmutter ist.

Was er nicht weiß und erst erfährt, als er seine Professur an der Uni in Kiel für ein Jahr ruhen lässt, um sich um seine Großeltern zu kümmern: dass der Vater seiner Mutter der Dorfschullehrer war, mit dem die Großmutter in Kriegszeiten eine leidenschaftliche Affäre verband.

Familienverhältnisse stellt der Film also ebenso infrage wie ländliche Dorfgemeinschaften.

Charly Hübner spielt den plattdeutsch sprechenden Hochschullehrer Ingwer mit einer faszinierenden Hingabe.

Überfordert von der Aufgabe, die demente Großmutter zu pflegen und den Großvater gleichzeitig davon zu überzeugen, seinen alten Gasthof endlich aufzugeben, wächst er wieder hinein in die immer kleiner werdende Dorfgemeinschaft, die er einst verließ.

Die schrägen Gestalten sind mit großer Sympathie gezeichnet und stehen ohne jede nostalgische Verklärung für ein Leben, das es so nie mehr geben wird.

Dieser wunderbar sanftmütige Film aber, und Dörte Hansens Roman erst recht, zeigen überzeugend, dass man es nicht vergessen sollte. Selbst wenn man nicht viel aus der Vergangenheit lernt, so ist sie doch ungeheuer hilfreich bei dem Versuch, die Gegenwart zu verstehen.

Mit dem besonderen Charme unserer Filmabende im Gemeindehaus wird das mehr als ein Heimatfilm!

Roland Geßl

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